Wie peinlich darf ein Mann sein?
Dieter Chmelar – die Parodie eines Dancing Stars. Und trotzdem Publikumsmagnet. Im Interview sagt er, was ihn von Richard Lugner unterscheidet und warum Humor wichtiger ist als Muskeln.
Drei verschobene Lendenwirbel, eine entzündete Achillessehne, eine Speichenköpfchen-Depressionsfraktur. Aber auf seine Goschen ist Dieter Chmelar in „Dancing Stars“ nie gefallen. Angesichts der hechelnden und schwitzenden Erscheinungen des professionellen Gesellschaftsbeobachters in Frack und Popeye-Kostüm drängt sich eine Frage auf: Wie peinlich darf ein Mann im 21. Jahrhundert sein?
Dunkel erinnern wir uns an einen Song von Alf Poier vor einigen Jahren über „klane Haserl“, „klane Katzerl“ und dem „Dromedar aus Afrika“. Beiden Männern ist zugute zu halten, dass sie Profis sind und hinter deren kabarettistischen Ausrutschern (hoffentlich) auch ein finanzieller Vermarktungsgrund steht. Denkt man jedoch an die peinlichen Episoden anderer Promis, so müsste man eher nach der Zurechnungsfähigkeit der Protagonisten fragen: Frédéric Prinz von Anhalt, jenseits der 60, wollte doch tatsächlich mit seiner damals 90-jährigen Ehefrau Zsa Zsa Gabor ein Kind zeugen. Die Betonung liegt auf Wollen. Ob der königliche Akt im Rollstuhl oder im Krankenbett, mit oder ohne Sauerstoff-Flasche vollzogen worden wäre, lässt sich an dieser Stelle nicht mehr eruieren.
Wenn wir schon im Fach der adoptierten Prinzen und Luftschlösser bleiben, so machte Mario-Max Schaumburg-Lippe eher von seiner angeblich abgeschriebenen Doktorarbeit, als von … nun ja was eigentlich … reden. Die Kombination von Damen mit Tiernamen bringt uns auf den Peinlichsten der Peinlichen: Richard Lugner. Antritt zur Bundespräsidenten-Wahl – das muss in einer Demokratie erlaubt sein –, Reality-Soap mit seinem essgestörten Katzi – das muss in einer Demokratie erlaubt sein –, und zahlreiche Viagra-Geständnisse – das müsste in einer Demokratie verboten sein. Zuletzt revidierte er seine Meinung über die Einnahme von Potenzpillen: „Mein Motto lautet: Es gibt keine impotenten Männer, sondern nur ungeschickte Frauen. Vor allem bei einer 21-Jährigen ist die Stimulanz groß.“
Aber sind Mallorca-King Jürgen Drews und der wunderbar-senile Harald-Serafin nicht mindestens genauso peinlich wie Lugner? Medienpsychologe Peter Vitouch sieht im Interview mit dem WIENER Gummigesicht Chmelar noch nicht auf das Niveau von Lugner herab gesunken. Ob das wirklich so ist?
Die Redaktion unseres Schwestern-Magazins WIENERIN hat sich für uns den Kopf zerbrochen und die peinlichsten Männer der Seitenblicke-Gesellschaft gewählt.
Dank Indiskretionen im ORF wurde übrigens bekannt, dass Schmähler (so spricht man ihn aus) laut telefonischer Publikumswahl nicht der Unbeliebteste war. Ginge es nach dem Geschmack der Österreicher, hätte der ehemalige Soft-Porno-Darsteller weiter die Hufen schwingen müssen.
Im Interview mit dem WIENER schwört Chmelar, dass ihm weder seine frühere Karriere als Soft-Porno-Darsteller noch seine Tanz-Versuche peinlich seien.
Sie haben eine ziemliche Show abgezogen: In der Folge, als Sonya Kraus Sie gefragt hat, warum Sie überhaupt bei einer Tanz-Show mitmachen, haben Sie eine Kabarett-Einlage als Popeye, der Seemann, geliefert. Waren Sie peinlich berührt?
Nein. Wenn ich kleinlich wäre, könnte ich sagen, dass sie keine Stilikone, sondern eine Silikone ist. Sie saß dort als Expertin, weil sie mal als Kind um den Weihnachtsbaum gelaufen ist und das als Tanzen galt. Ich habe innerlich frohlockt, als sie das sagte, weil ich bereits die Anrufer hörte, die sich sagten: Einen österreichischen Schmähführer lassen wir uns von einer aus Kunststoff bestehenden Bundesdeutschen nicht ausrichten.
Hat Sie das Mitleid so oft vorm Rauswurf gerettet?
Ja, das glaube ich. Ich empfehle allen jungen Männern in dem Land, dass sie eher in ein Schmähcenter gehen als in ein Fitnesscenter. In meiner grauen Vorzeit hat mich noch nie eine Frau wegen meiner Augenringe oder meiner Schwarteln zurück gewiesen, aber gelegentlich wegen eines Schmähs. Was lernen wir daraus? Es ist ein bisschen klüger, am Humor zu arbeiten als an den Muskeln.
Haben Sie sich männlich und sexy gefühlt beim Tanzen?
(beginnt zu lachen) Meine Frau vergleicht mich immer mit George Clooney … Sie sagt, wir haben überhaupt keine Ähnlichkeit. (grinst) Mir ist klar, dass man mit 53, Übergewicht und scherngeln nicht punktgenau einem gängigen Schönheitsideal entspricht.
Dieter Chmelar. Geboren am 26. Oktober 1957 in Mödling. Es gibt kaum etwas, was der 53-Jährige in der Medienbranche noch nicht gemacht hat: Porno-Darsteller, Dressman, Sport-Reporter, Buchautor, Seitenblicke-Journalist, Moderator, Gagschreiber und Kabarettist. Den Fernseh-Durchbruch erlangte Chmelar, als er „Vera“ während der Karenz von Vera Russwurm moderierte. Aus dieser Zeit stammt eine schöne Anekdote: Während einer Aufnahme-Panne lehrte ihm sein Studio-Gast Leslie Nielsen („Die nackte Kanone“) Grimassen schneiden – und das Gummigesicht Chmelar war geboren. Mit Tänzerin Kathrin Menzinger zog Chmelar eine komödiantische Show in Dancing Stars ab, schied aber nach der 7. Runde aus.







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