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Genuss

Viele Sorten, aber bitte in einem Stil!

Leithaberg, Teil 2. Leo Sommers Theorie oder: Warum der jüngste DAC eigentlich auch wieder "retro" ist.

Sein Betrieb ist ziemlich groß (30 Hektar), untypisch (Hauptsorte Veltliner – im Burgenland!) und qualitätsvernarrt. Also redet Leo Sommer auch mit, wenn es um das Stilprinzip des Leithaberg DAC geht.

Im ersten Teil unserer Bestandsaufnahme ging es ja um die nicht unproblematische Abkehr vom Prinzip “eine Region, eine Sorte” innerhalb der DAC-Klassifikation. Was den Konsumenten schwer verwirrt, wenn der Blaufränkisch “gleich heißt” wie der Neuburger – schmeckt der jetzt auch so? Sommer sagt ja, meint das aber etwas abstrakter.

Die Mineralik des Leithabergs muß im Stil durchkommen, bemüht er als Veltlinerspezialist einen Vergleich mit den Nachbarregionen. Nicht säure-stark wie im Mittelburgenland und nicht opulent wie am Neusiedlersee, sondern filigraner, im Idealfall mit kühlerer Stilistik und merkbarem Gepräge aus den Schiefer- oder Muschelkalkböden sei der Wein. Die vermeintliche Novität stellt mehr das gute Alte dar für den Donnerskirchner. “Wenn man früher einen Wachauer Smaragd bestellt hat, bekam man eine bestimmte, reife Stilistik”. Eher Nebensache war, ob es Neuburger, Veltliner, Traminer oder Riesling war. Insofern habe die Sortenvielfalt schon ihr Gutes innerhalb der DAC-Region.

Kommen wir zum Punkt: Wie schmeckt die graue Theorie, füllt man sie in Flaschen? Beim “M”, dem Veltliner aus dem Bergweingarten Sommers, kommt deutlich ein leichter Feuerstein-Ton in der Nase durch. Ein balancierter Wein, der noch getoppt wird vom Riesling aus der gleichen Lage: Vielfältige Aromen wie Sesam, Pfirsich und Blüten, dazwischen leichter Petrolton prägen den Duft. Wie alle Weissen ist auch der saftige Riesler aus einem Guß, Nase und Gaumen genießen keine unterschiedlichen Eindrücke. Aber wir sprechen hier noch nicht von Weinen mit DAC-Label. Das trägt wenig überraschend ein Veltliner, wenngleich man ihn in einer Blindprobe wohl für einen Chardonnay gehalten hätte; seltsam ätherisch zwischen burgundischem Stil und knochentrocken zu verorten.

Als Vergleich servierte “Weinfinder” Michael Ulrich einen 2006er aus eigenen Lagerbeständen. Der verstärkte den Eindruck des Eigenständigen, um nicht das diffuse, aber treffende Vokabel Meditationswein zu verwenden. Dort geht offenbar die Reise auch beim 2009er DAC hin! Denn ein “Problem” des Leithabergs gab dann auch Sommer zu: Es sind Weine, die lange lagern sollten, gerade beim Weißwein lohnt das Warten.

Bezugsquelle: Grüner Veltliner 2009 Leithaberg DAC -  Euro 11,20 ab Hof in Donnerskirchen
oder bei Uli, dem Weinfinder: www.der-weinfinder.at

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Monday, 21.05.2012, 15:55 Uhr

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Roland Graf
Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

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