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Menschen

“Nicht jammern, sondern selber tun!”

Wo staatliche Strukturen unbeweglich sind, können private oft schneller reagieren - und Probleme aktiv selber lösen. Mit dem "Sustainable Entrepreneurship Award" werden in Österreich erstmals Unternehmer ausgezeichnet, für die Nachhaltigkeit und Rendite kein Widerspruch sind.

Es ist ein Jammer mit der Nachhaltigkeit! Sie ist zwar très chic und gilt als modisches “must have” jeder stilbewussten Unternehmensführung, aber sie ist halt immer so, naja, “nachhaltig”. Sprich: Sie wird als Spätwirkung spürbar, ein unmittelbarer Erfolg lässt sich schwer messen. Oder haben Sie schon mal bemerkt, dass die Donau sauberer wurde, bloß weil Sie beim Billa zum Recycling-Papier-Sackerl gegriffen haben? Eben.

Wirtschaftlich betrachtet ist es kaum anders. Das Plus am Ende der Excel-Tabelle wird nicht größer, wenn man Produkte “grün” produzieren lässt, seine Abfälle vorbildlich entsorgt und Mitarbeitern faire Arbeitsbedingungen zuerkennt. Selbst Lieschen Müller spürt: Das verursacht Kosten, nicht Rendite.

Zumindest: Keine kurzfristige Rendite. Nachhaltiges Wirtschaften – das wirkt auch wirtschaftlich nachhaltig. Daher bedarf es Weitblick, Langzeitplanung – und ausreichend philantropische Motivation, damit den unternehmerischen Langstreckenläufern nicht die Puste ausgeht.

Kraftnahrung für Weltverbesserer

Genau hier setzt der “SEA 2011″ an, der “Sustainable Entrepreneurship Award”, der heuer das erste Mal vergeben wird – als Anerkennung der Leistung, als Kraftnahrung für die nächste Etappe. Gesucht: Unternehmen, die den Blick über den Tellerand wagen und aktiv werden für gesellschaftliche Veränderung. Der WIENER bat Nicole Prieller, eine der Initiatorinnen, zum Gespräch.

Was versteht man unter “Social Entrepreneurship”?

Nicole Prieller: Soziale Unternehmer sind Menschen, die sich mit ihrer unternehmerischen Idee auf die Lösung eines gesellschaftlichen oder ökologischen Problems konzentrieren. Für sie ist Wirtschaft in erster Linie dazu da, Lösungen zu gestalten, erst danach geht es um Profite. Soziale Unternehmer sind aber nicht von Förderungen abhängig, sie verbinden wirtschaftliches Denken mit dem Barbeiten sozialer oder ökologischer Anliegen. Ein gutes Beispiel wäre etwa Thorkil Sonne, der mit seiner Firma „Specialist People“ die Spezialbegabungen von Autisten nützt und Autisten einen „ganz normalen Job“ gibt, sie also vor der gesellschaftlichen Isolation bewahrt. In Österreich wiederum hat die Firma Helioz ein einfaches, kostengünstiges Produkt entworfen, um in abgelegenen Regionen klares Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Beide Unternehmen entstanden aus der persönlichen Betroffenheit von Menschen, die sich mit den herrschenden Zuständen nicht zufrieden geben wollten.

Wie wichtig ist Unternehmens-Ethik in einer vom wirtschaftlichen Denken geprägten Gesellschaft?

Unternehmerische Ethik ist wichtig und genau deshalb meistens nicht mehr als eine PR-Blase. Unternehmen, die anderswo verheerende Schäden anrichten, leisten sich im „Westen“ aufgeblasene CSR Abteilungen. Zwischen unternehmerischer Ethik und unternehmerischen Handeln sollte jedoch kein Unterschied bestehen. Das ist mit ein Grund für unsere Initiative: wir wollen jene Unternehmer ermutigen, die bereit sind, einen Schritt weiter zu gehen und statt auf einzelne CSR-Aktionen auf eine umfassend nachhaltige Unternehmensstrategie setzen. Wir suchen Unternehmer, die sich schon jetzt auf die „Ökonomie des Ankommens“ vorbereiten, also auf eine Welt, in der wir gelernt haben, mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen zu leben und dennoch gesund zu wirtschaften.

In Hinblick auf CSR – wie steht Österreich im internationalen Vergleich da?

Österreich kann einige spannende Initiativen vorweisen, dennoch ist die österreichische Mentalität, „dass nicht so heiss gegessen wie gekocht wird“, auch im CSR Bereich zu bemerken. Echte Nachhaltigkeit ist kein Thema für kurzfristige PR und monatliche Rankings.

Glauben Sie, dass es genug internationale Aufmerksamkeit (bzw. auch rege internationale Beteiligungen/Einreichungen) für einen österreichischen Preis gibt?

Unser Preis soll vor allem Öffentlichkeit für die Idee echt nachhaltigen Wirtschaftens schaffen, es geht uns nicht darum, einfach einen weiteren Award ins Leben zu rufen. Wir wenden uns nicht nur an österreichische Unternehmen, sondern auch an Projekte aus dem gesamten CEE Raum und sind schon jetzt überzeugt, dass es ausreichend Projekte gibt. [Einige Beispiele zum Thema finden sich hier - Anm.]

Welche Art von Projekten fördert der SEA 2011?

Unabhängig von Rechtsform und Größe fördern wir  zum einen Unternehmen die bestehende Unternehmensprozesse verändern, um an einer sozial und ökologisch ausgeglichenen Ressourcenbilanz mitzuwirken, zum anderen richten wir uns an Social Entrepreneurs, also Unternehmer die ihren Geschäftszweck vorrangig der Verbesserung sozialer und ökologischer Problemstellungen widmen. Maßnahmen und Geschäftsideen, die sich in Planung befinden, können in der Kategorie „Best Idea SEA 2011“ eingereicht werden. Hierfür haben wir einen Sonderpreis eingerichtet.

Was ist Ihnen persönlich wichtig an dem Thema?

Die Unfähigkeit der Politik, heute noch wirklich substantielle Lösungen zu schaffen, sollte uns allen Alarmzeichen sein. Im Gegensatz zu den Dreißiger-Jahren sollten die Bürger aber nicht dabei zusehen, wie ihre Errungenschaften von fragwürdigen Volksvertretern zerstört werden. Wir haben alle aus der Geschichte gelernt und ich denke, dass die Probleme unserer Zeit nur von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam gelöst werden können. Wer glaubt, dass irgendetwas in irgendeinem Bereich nicht stimmt oder gut funktioniert, sollte nicht darüber Jammern, sondern nachdenken, ob er oder sie bereit ist, selbst an einer Lösung des Problems zu arbeiten. Wir kommen nur mit Taten weiter, nicht mit dem Bejammern der Zustände, daher braucht es unternehmerisch denkende Menschen in vielen Nischen und Bereichen unserer Gesellschaft.

Danke für das Gespräch.

Mehr zum Thema:

  • Der Juli-WIENER bringt einen großen Schwerpunkt zum Thema “Social Entrepreneurship”: 6 Österreicher sagen, warum und wie sie die Welt verändern.
  • Einige CSR-Initiativen stellen wir Ihnen in den nächsten Tagen auf wiener-online vor. Stay tuned!

Der "SEA 2011" ist mit 10.000.- Euro dotiert und wird von einer transdiziplinären Jury unter der Leitung des langjährigen EU-Agrar-Kommissars Franz Fischler vergeben. Informationen unter: SEA 2011 (pdf)
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Monday, 21.05.2012, 15:43 Uhr

Autorenprofil Nicole Kolisch

Nicole Kolisch
Girl Geek in Residence beim WIENER, verantwortlich für wiener-online, Gelegenheitsbloggerin für "Zeit im Blog 21", der konstante Versuch auf 17 Stühlen gleichzeitig...

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