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Sex

I foa o auf 57er Chevy

Seit Anbeginn der mobilen Zeiten erfreut sich das Auto als Ort erotischer Vergnügungen anhaltender Beliebtheit. Doch mindestens genauso lang kämpfen Liebende damit, ihre Körperteile darin unterzubringen.

Jetzt, wo es draußen doch halbwegs erträgliche Temperaturen hat, kommen immer mehr Freiluftbegeisterte auf die Idee, ihr Automobil zum Schauplatz erotischer Abenteuer umzufunktionieren. Manche gezwungenermaßen, weil sich eine eigene Wohnung als idealer Veranstaltungsort für intime Zärtlichkeiten noch nicht eingestellt hat, andere wiederum aus Lust auf Abwechslung, weil sich die einstmals so lang ersehnten eigenen vier Wände auf die Dauer doch als recht langweilig herausstellen.

Dann gibt es da noch die ganz Eiligen, die ohne Fahrtverzögerung zur Tat schreiten wollen, weil sie befürchten, sich auf die berühmte Frage „ Zu dir oder zu mir?“ eine Abfuhr einzuhandeln. Und schließlich gibt es Menschen, die es prinzipiell am liebsten in Gegenwart von vier Gummireifen tun, vorzugsweise auf einem Autobahnparkplatz, den sie vorher als neuesten Geheimtipp auf einer der einschlägigen Websites ausgeforscht haben („ A2 Richtung Wien, bei km 32…“ ).

Aus welchen Motiven auch immer sich Menschen in, auf oder unter Autos lustmäßig engagieren: Im Hinblick auf ihre Liebesnestqualitäten unterscheiden sich die verschiedenen Marken und Typen ganz wesentlich.

Am geräumigsten wäre natürlich eine Stretch- oder Großraumlimousine von der Art eines Rolls Royce, aber die steht uns Normalsterblichen leider nur äußerst selten zur Verfügung. Und abgesehen davon geht ja dann auch irgendwie der besondere Reiz des Automobilsex verloren: Denn wenn man so viel Platz hat wie in einem Bett, warum macht man es dann nicht gleich im Bett?

Am häufigsten kommen wohl die sogenannten Mittelklassewagen zum Einsatz, auch wenn hier von Bequemlichkeit nicht wirklich die Rede sein kann. Selbst auf dem breitesten Beifahrersitz drückt der Schaltknüppel zumindest einem der Beteiligten Dellen ins Schienbein. Und wenn man den Beifahrersitz ganz zurückfährt und es mit Oralsex versucht, machen häufig Hinterkopf oder Rücken (je nach Modell) unliebsame Bekanntschaft mit dem Armaturenbrett, der Ellbogen scheuert am inneren Türgriff und die Unterschenkel würde man sich am liebsten abmontieren. Leider bietet auch die Rückbank nur solchen Leuten bequem Platz zum Liegen, für die das Thema Erotik noch untergeordnete Bedeutung hat.

Ausweichmöglichkeiten finden überstehende Körperteile nur in Cabrios. Selbst so relativ kleine Topless-Flitzer wie der Peugeot 206 cc bieten obenrum viel Platz, leider aber auch gute Einsichten. Deshalb empfiehlt es sich für Cabrio-Lover nachhaltig, ein möglichst unauffälliges Versteck aufzusuchen. Das gleiche gilt übrigens für Menschen, die aus dem beengten Inneren entfliehen, um die Motorhaube einer Zweckentfremdung zu unterziehen.

Gut geeignet sind natürlich Kombis, deren Ladefläche sich völlig flach legen lässt, auch wenn sie auf den ersten Blick wenig Aufreißerflair versprühen (bis auf den Alfa 156 Sportwagon vielleicht, durch den ja sogar schon Cathrine Zeta-Jones werbewirksam und barfuß hindurchgekrabbelt ist – aber der 159er ist noch größer und noch schöner!!!). Noch weniger Anmacherqualitäten besitzen Familienvans: Das glaubt dir einfach niemand, dass du ein freier Single bist. Und mit Kastenwägen à la Mercedes Vito – dem perfekten mobilen Großraumliebesnest – ist am Abend vermutlich eh keiner unterwegs.

Unglaublich, aber wahr ist die Geschichte von den legendären Kleinstwägen Puch 500 bzw. Fiat Cinquecento, deren Ausmaße ja schon Fahrenden ohne erotische Ansprüche eine fast schmerzhaft gekrümmte Körperhaltung abverlangen. Die Via Appia, die antike römische Prachtstraße, jedenfalls ist nach Einbruch der Dunkelheit von rhythmisch wackelnden Miniautos gesäumt. Erklärung: Da italienische Männer oft bis in mittlere Altersklassen bei Mama wohnen und sich daher ungestörte Schäferstündchen zu Hause abschminken können, nehmen sie bereitwillig Zuflucht zu allem, was Abstand zwischen ihre Knie und dem von lästigem Insektengetier bevölkerten Grasboden bringt.

Fazit: Sex im Auto ist selten bequem. Aber Bequemlichkeit ist ja auch nicht der Hauptgrund dafür, warum er seit der Erfindung des Automobils beliebt ist, sondern Spontaneität, der Reiz des Verbotenen (immerhin erregt man rein rechtlich gesehen nicht nur den Partner, sondern auch öffentliches Ärgernis) und der Kitzel des möglichen Entdeckt-Werdens. Und genau deshalb werden es Hunderte auch noch in 100 Jahren gerne im Auto treiben. Vorausgesetzt, es gibt dann noch Autos.

P.S.: Auch wenn dem Porsche-Besitzer Aufreißervorteile nachgesagt wurden: Eine Studie fand unlängst heraus, dass Porsche-FahrerInnen von allen den wenigsten Sex haben. Den häufigsten haben übrigens angeblich BMW-BesitzerInnen.

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Monday, 21.05.2012, 15:36 Uhr

Autorenprofil Caroline Klima

Caroline Klima
Caroline Klima lebt als Autorin, Übersetzerin und Lektorin in Wien – Spezialgebiete Geschichte, Psychologie & Comics. Als langjährige Erotik-Kolumnistin im Netz (u. a. „CaroLines“ seit 1999!) heizte sie den WIENER-Lesern mit ihrer KlimaZone zunächst auf dem Papier ein - und nun auf wiener-online.at.

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