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Dieses Boot verlangt das Letzte

Wie tickt ein Taktiker? „Ich verfolge meine Ideen sehr intensiv“, sagt Christian Binder, „auch gegen Widerstände, da bin ich sehr stur.“ Binder ist der Mann, der das AEZ RC 44 Sailing Team auf (Erfolgs-) Kurs bringen will. Taktieren muss er dafür zu Wasser – und zu Land.

Das Segeln und das Leben – wer weiß, dass es in beiden Fällen gilt, den richtigen Kurs zu steuern, erkennt in Windeseile die Parallelen. In der RC 44-Klasse fällt das sogar noch leichter. Theoretisch ist hier jedes Team mit dem gleichen Boot unterwegs. 13 Meter lang, dreieinhalb Tonnen schwer, ausgestattet mit bis zu 300 Quadratmeter Segelfläche – acht Mann sind notwendig, um es unter Kontrolle zu halten. Praktisch allerdings, praktisch sind die Bedingungen nicht für alle Mannschaften gleich. Und natürlich geht es dabei ums Geld.

Während Größen wie Russell Coutts ein Jahresbudget von rund einer Million Euro zur Verfügung steht, muss sich das österreichische AEZ-Team mit etwas mehr als einem Viertel begnügen. Und hatte darüberhinaus das Problem, dass nicht alle Mannschaftsmitglieder, weil Amateure, bei allen Rennen dabei sein konnten. Binder erwies sich aber nicht nur zu Wasser als gewiefter Taktiker, sondern auch zu Land: „Deshalb setzen wir jetzt auf Profis (der Kroate Karlo Kuret, der Portugiese Nunu Bareton, Anm.), die bezahlt werden, wodurch es möglich sein wird, vollen Einsatz und regelmäßige Anwesenheit zu fordern.“

Der WIENER sprach mit Christian Binder über das Segeln (und natürlich das Leben) an sich, den Zwang zum Erfolg – und warum der Traunsee selbst für Spitzensegler ein höchst anspruchsvolles Gewässer ist.

Es gibt zwei neue Leute an Bord. Schon aneinander gewöhnt?

Segelprofis haben sich in der Regel auf bestimmte Positionen am Boot spezialisiert, beherrschen diese aus dem FF und sind daran gewohnt, sich sehr schnell in bestehende Teams einzufügen.

Wenn man Leute austauscht, tut man das, weil man sagt, wir wollen einfach mehr Erfolg haben?

Wichtige Leistungsträger haben aufgehört. Daraufhin haben wir beschlossen, dass wir Erfolge haben wollen und auch müssen. Deshalb setzen wir jetzt auf Profis.

Auf dem Boot sind Sie Taktiker. Ihre Aufgabe?

Ein Taktiker dirigiert das Boot, sagt dem Steuermann, welche Richtung er einschlagen soll, gibt Anweisungen für die Durchführung der Manöver. Er beobachtet ständig die Wetter-und Windverhältnisse und die Konkurrenten, um daraus seine Entscheidungen abzuleiten.

Sie sind der, der für Sieg und Niederlage verantwortlich ist?

Im Grunde genommen, ja. Man darf aber keinesfalls außer Acht lassen, dass es sich hier um einen Teamsport handelt. Selbst der beste Taktiker wird ohne eine gute Crew keinen Erfolg haben.

Wissen Sie es sofort, sozusagen in der Sekunde, wenn Sie eine falsche Entscheidung getroffen haben?

Es gibt Situationen, in denen man noch darauf hofft, dass sich vielleicht der Wind ändert und sich die Entscheidung dadurch doch als glücklich entpuppt. Aber meistens schon, meistens schon sehr bald und in einem so hochkarätigen Feld wie dem der RC 44 in der Regel auch mit sofortigen Konsequenzen.

Was fasziniert Sie am RC 44-Cup?

Dass man gegen die besten Segler der Welt antritt, und dass die RC 44 auf der einen Seite ein sehr technisches Boot ist, welches aber trotzdem extrem körperbetont zu segeln ist, also von der Mannschaft wirklich das Letzte abverlangt. Diese Kombination ist einzigartig.

Es heißt, beim RC 44-Cup entscheidet allein das Können der Teams. Wie läuft denn diese Teamarbeit?

Das ist eine sehr komplexe Geschichte. Weil jeder für seinen Bereich verantwortlich ist. Und trotzdem muss alles zusammenspielen. Das ist auch die große Kunst, seine Tätigkeit so zu beherrschen, dass man nicht mehr hinschauen muss und so nie den Gesamtüberblick verliert.

Was unterscheidet die Rennen am Traunsee vom Pazifik?

Das enge Wasser nicht unbedingt, in San Diego wurde z.B. auch im Hafenbecken gefahren. Das war eigentlich kleiner als der Traunsee. Aber es ist mit Sicherheit so, dass der Wind am Traunsee schneller wechselt und sehr unkonstant ist.

Haben Sie vom Segeln etwas für das Leben gelernt oder umgekehrt?

Ich habe vom Segeln auch für das Leben gelernt.

Was war am wichtigsten?

Das Wichtigste war, Aggressionen so zu steuern, dass sie positiv wirken – das heißt im Wettkampf mit aller Konsequenz gegen die Konkurrenten zu arbeiten und trotzdem gute Freunde zu bleiben.

Hat das auch etwas für Ihren geschäftlichen Erfolg bewirkt?

Ja sicherlich, entscheidende Kriterien, welche schlussendlich im Segeln zum Erfolg führen, wie Konsequenz, Zielstrebigkeit, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein sind definitiv auch wichtige Voraussetzungen für den geschäftlichen Erfolg.

Trotz aller Teamarbeit beim Segeln, scheint Individualität schon sehr wichtig zu sein.

Jeder Sportler ist ja ein Individualist. Und im Endeffekt, sag ich einmal, ist er sich selber der Nächste. In der Mannschaft ist wichtig, dass die Abläufe funktionieren.

Was macht den Individualisten Christian Binder aus?

Ich gehe meinen Ideen sehr intensiv nach. Auch gegen Widerstände? Auch gegen Widerstände. Da bin ich sehr stur.

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