Blondinen bevorzugt
Was haben Albert Einstein und der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy mit dem Bauarbeiter am Gerüst gegenüber und dem Arbeitskollegen zwei Zimmer weiter gemeinsam? Ganz einfach: Ihre Vorliebe für Blondinen. Caroline Klima auf den Spuren eines Phänomens.
Albert Einsteins Faible für Marilyn Monroe ist legendär. Doch eigentlich ging das Genie einer Mogelpackung auf den Leim: Der Inbegriff der erotisch-naiven Blondine startete erst dann karrieremäßig durch, als sie ihre eigentlich brünetten Haare blond färbte. Das tat seiner Begeisterung allerdings keinen Abbruch.
Neueste Studien belegen ein Uralt-Phänomen. Nämlich die Tatsache, dass nicht nur Superintelligente, sondern überhaupt ein Großteil der Männer auf Blondinen abfährt, und das nicht erst in unserem Jahrhundert, sondern schon seit vorchristlichen Zeiten. Bereits die antiken Römer waren vom Rotblond ihrer gallischen und germanischen Sklavinnen fasziniert, und die zugehörigen Römerinnen ließen sich aus deren Haaren Perücken anfertigen, nachdem die Sache mit dem Bleichen damals noch nicht wirklich gut funktionierte.
Wo immer es seither in der Kunst darauf ankam, eine Frau von perfekter Schönheit darzustellen, wählte der Maler Blond als ihre Haarfarbe, unabhängig von Logik oder Historie. Maria, die Gottesmutter, wurde zum Beispiel meistens blond gezeigt, obwohl sie als Frau aus dem Nahen Osten mit ziemlicher Sicherheit dunkelhaarig gewesen ist.
Das hängt vermutlich damit zusammen, dass „blond“ nicht nur mit Schönheit, sondern auch mit Wörtern wie Reinheit, Unschuld und Jugend assoziiert wird. Außerdem sind Blondinen etwas Exklusives, denn nur rund 10 bis 12 Prozent der Menschheit sind blond, je nachdem, wie man blond eben definiert.
Zum Inbegriff der Weiblichkeit wurden berühmte Blondinen wie Catherine Deneuve, Brigitte Bardot oder Claudia Schiffer jedoch nicht durch reine Unschuld. Ebenso gelten Blondinen schon seit Urzeiten als verführerisch, sinnlich, schwach, unterwürfig und naiv. Laut Attraktivitätsforschung trauen Männer den hellen Damenköpfen nur das Beste zu: sie halten Blondinen für extrem glaubwürdig. Daher sind auch viele TV-Nachrichtensprecherinnen blond. Allerdings nur wegen der Glaubwürdigkeit. Für Nachhilfeunterricht zu Sachthemen will sie kaum wer haben…
Natürlich ist die sprichwörtliche Naivität und Dummheit der Blondinen ein dummes Vorurteil, das lang schon widerlegt ist. Als Grund für die hohe Anziehungskraft des hellen Haares vermuten die Forscher übrigens, dass Blondsein ein Zeichen für Jugend ist. Tatsächlich findet sich der höchste Blondanteil unter den Kids, ein nicht unbeträchtlicher Teil dunkelt jedoch spätestens in der Pubertät nach. Entwicklungsgeschichtlich gesehen sollen Männer (die von früher halt, die starken Jäger also) junge Frauen zur Fortpflanzung bevorzugt haben, weil diese eher gesund und belastbar waren. Daran soll sich bis heute nicht viel geändert haben. Da blond=jung ist, heißt es Blondine=guter Aufriss.
Natürlich gibt’s die verschiedensten Blond-Typinnen, die alle unterschiedliche Fantasien wecken (vermutlich allesamt aber nicht jugendfrei). In die Kategorie „Marilyn“ fallen auch andere Oberweitenwunder wie Pamela Anderson oder Dolly Buster: sexy-sinnliches Dynamit. In die cool-laszive Eispickel-Kategorie gehören Damen wie Sharon Stone, Catherine Deneuve oder Marlene Dietrich: eiskalt, aber hundertprozentig zum Finger-Verbrennen. Und zur unschuldig-verführerischen Fewa-Wolle-Kategorie zählen Engel wie Claudia Schiffer oder auch Meg Ryan: anschmiegsam-hingebungsvolles Wachs in deinen Händen.
Ob die Damen nun die erotischen Versprechungen einlösen können, die ihre Haarpracht in männlichen Gehirnen erzeugt, und nun wirklich auch so toll im Bett sind, wie alle träumen – das lässt sich wohl nur durch einen Praxistest herausfinden…


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