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Sauers Fahrtenbuch: Heißhunger

Die ehrlichsten Autokenner sind die nächtlichen Tankwarte. Im Match um die besten Sprüche werden sie gerade noch von Würstelstand-Betreiberinnen getoppt. Ein paar Stilblüten gefällig?

Am liebsten tanke ich mitten in der Nacht. Da ist nichts los an den Zapfsäulen, die Waschboxen sind leer und man hat Zeit, im Shop zu gustieren. Ich bin nämlich bekennender Nacht-Junkfood-Süchtling – zu keiner Tageszeit schmecken Käsekrainer, Leberkäse, Schokoriegel oder Gummischlangen (die extrasauren) besser als nach 23 Uhr. Nebeneffekt: Abends ist auch der Tankwart ungestresst, also freundlich und zu einem netten Benzinpläuschchen aufgelegt.

August und der Ferrari

So steuerte ich vor rund 15 Jahren eine Tankstelle an, die es heute nicht mehr gibt. In der Preyergasse, dort, wo jetzt der Lainzer Tunnel gegraben wird, führte Gustl Berger ein strenges Regiment. Tagsüber war er mit dem Antreiben seiner Mitarbeiter beschäftigt oder begrüßte Hietzinger Hofrats-Witwen in höchster Schallstärke per „Taaag, gnäääää Fraaaaaauuu!“
Aber in der Nacht, da hatte August Zeit. Zeit für die wichtigen Dinge. Als ich einmal knapp vor Sperrstunde in den Shop kam, um den letzten verfügbaren Käsekrainer abzugreifen, fand ich ihn in melancholischer Verzückung über dem Cover eines Automagazines. Darauf abgebildet war der damals brandneue Ferrari F50. Und Gustl hatte sich scheinbar gehörig in das Ding verliebt. Nach fünf Minuten nahm er mich wahr, sah endlich von der Zeitung auf, hatte glasige Augen und brachte seine Empfindungen auf den Punkt: „Scheissmichan. Bei den Wagl faungst zum Wixn aun. Welches Wiaschtl willst?

Karl und der GTR

Hoch zu schätzen weiß ich auch die Fachkompetenz mancher Tankwarte. Sie ersparen dir oftmals Recherche, besonders wenn du an ihrer Tränke etwas Exotischem den Tankzutz in die Lende hängst. So strahlte mir die jahrelange Erfahrung des Motor-Arbeiters entgegen, als ich jüngst unserem Dauertest-GTR die Blase füllte und, wie immer um die nämliche Zeit, Heißhunger auf irgend- einen Schokoriegel oder schlimmeres bekam. „Maserati?“ kam die Kenner-Fangfrage, noch bevor ich meine Bankomatkarte gezückt hatte. „Nissan“ antwortete ich freundlich. „Siecht ma eh an de Lichta.“ Und gleich darauf die endgültige Ferndiagnose des Nissan-Fahrwerkes: „Do gspiast sogoa, obs’t über a Filtertschick oder a Söbadrahte drübafoast.“

Christl und die Käsekrainer

Getoppt wird derlei mühelos von der Schlagfertigkeit der Würstelstandlerin am Beginn des Naschmarktes. Quietschenden Reifens schliff ich einen Volvo vor ihrem Etablissement ein, der Heißhunger muss mir auf Kilometer anzusehen gewesen sein. Die Fahrertür flog auf, ich stürzte vor den Stand und fragte panisch durch die einen Spalt geöffnete Glasscheibe: „Haben Sie noch offen?“ Die Standlerin, ohne mit der Wimper zu zucken, retournierte per Smash: „Na, i wohn da. Ich tu nur lüften …“

Franz J. Sauer ist Motorchef des WIENER, Chefredakteur des Motorradmagazins und bloggt auf sauers-fahrtenbuch.at
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Monday, 21.05.2012, 15:10 Uhr

Autorenprofil Franz J. Sauer

Franz J. Sauer
Der Sauer. Automobilfetischist, Original, Chefredakteur des "Motorradmagazins", Gelegenheitsblogger auf "Zeit im Blog 21".

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