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Range Rover Evoque: Der kleine Lord

So macht Downsizing Sinn: Land Rover destilliert alle guten Eigenschaften des Range Rover auf Kompakt-SUV-Größe und verpasst dem ganzen eine heiße Haut. Fest dürfte schon jetzt stehen: das Ding wird sich verkaufen wie warme Semmeln. Wir durften uns exklusiv eines der ersten Exemplare zur Linse nehmen.

Kleiner machen liegt im Trend, sagen die einen. Die anderen meinen, es geht gar nicht anders, wollen wir unseren Planeten noch weiter bevölkern. Die trockene Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Und wenn das Thema Downsizing abgehandelt wird, wie im Falle des links gezeigten Prototypen des kommenden Range Rover Evoque, warum soll man sich dann nicht damit anfreunden?

Familienbande

Gerade in Hinblick auf die Marke Land Rover lässt sich das Thema Downsizing bei genauerer Betrachtung fast skurril an. Was haben wir da: einen Geländewagen-Saurier namens Defender, an dessen äußerem Erscheinungsbild sich in den letzten 60 Jahren nichts wesentliches geändert hat. Einen geländebegabten Luxus-Liner namens Range Rover, der auch schon in sein 42. Lebensjahr taucht und in punkto Auftreten die Form eines begehbaren Schrankes zum Nonplusultra des Luxusauto-Looks erhebt. Auch die dritte Baureihe namens Discovery ist die letzten Jahre eher im Wachsen begriffen als umgekehrt, das Buhlen um CW-Werte oder optischen Mode-Schnickschnack wird gnadenlos den Themen Praktikabilität und Laderaum geopfert. Schließlich gibt es dann noch den Freelander, den Landy fürs kleine Börsel sozusagen; auch er ist ein guter Kumpel aus der Timberlandfraktion, der im Gelände alles, auf der Straße viel kann, also Leuten gefällt, denen solche Autos eben gefallen. Ach ja, fast vergessen hätten wir den Range Rover Sport – was vielleicht daran liegt, dass dieser zwar wohl das bislang gefälligste Fahrzeug aus Gaydon ist, im Vergleich zum großen Bruder aber hauptsächlich durch mangelhafte Kopffreiheit auffällt – außen rum ist er schon auch recht groß. Warum dann nicht gleich zum Original greifen?

Ein Range fürs kleine Börsel

Man merkt schon: Aus rein ästhetischen Überlegungen haben sich erst wenige Leute einen Land Rover geleistet. Gleichzeitig ist die imagemäßige Strahlkraft der Marke Range Rover nach wie vor eine Bank. Schlau also, einen Range Rover zu basteln, den sich nicht nur all jene Fahrzeugkäufer vor die Tür stellen, die qua Landgut allradtaugliche Fahrzeuge mit Landlord-Appeal brauchen, in der Innenstadtwohnung sowieso eine Tiefgarage haben und sechsstellige Autokaufpreise aus der Portokassa berappen. In die Breite gehen heißt demnach: kleiner werden. Faktisch und auch preislich. Insofern scheint man bei Land Rover seine Hausaufgaben gemacht zu haben: Erwartungsgemäß wird der Evoque, wenn er ab September zu uns kommt, als Fronttriebler um 35.000 Euro, als Allradler um knapp 38.000 Euro zu haben sein. Das wäre dann doch ein knappes Drittel dessen, was mindestens für den großen Range zu berappen ist.

Neukunden-Akquise

Der potentielle Autokäufer, der ab Herbst einen Range Rover Evoque in Augenschein nimmt, kommt vermutlich neu zur Marke. Er fuhr bislang einen SUV fernöstlicher Herkunft, fand Gefallen an jener Gattung Auto und will sich darin vertiefen. Weil am  Thron der nämlichen eben ein Range Rover – der originale nämlich – residiert, bekommt dessen frischester Verwandter eine ordentliche Portion Vorschusslorbeeren mit auf den Weg, wird sich also kaum darüber definieren müssen, wieviele Dosenhalter er an Bord hat oder ob die Fußmatten aus Teppich sind, sondern a priori als Luxusvehikel wahrgenommen. Das Rennen von Null auf Erstrebenswert dürfte der Evoque also schon jetzt gemacht haben. Und auch die angekündigten Motoren (zwei Diesel mit 150 und 190 PS, ein neuer Benziner mit 240 PS) passen da ins Nichtzu- groß-aber-doch-schon-stark-Konzept. Feines Package Und was bekommt er, der potentielle Neukunde? Jedenfalls eines der schicksten Autos der letzten Jahre. Rein äußerlich spannt der Evoque sein Wesen in gefühlter Coupéform auf, egal ob er mit fünf oder drei Türen daherkommt. Von Dachlinie bis Radkasten scheint jeder Schwung durchdacht, die Front nimmt ziemlich viel vom Überholprestige der großen Brüder mit. Heckwärts betont der Evoque seine weibliche Seite – dass seine Patentante Victoria Beckham prinzipiell auf knackige Hintern steht, ist ja hinlänglich bekannt. Das kluge Design führt sich im Inneren fort, vor allem der superschrägen Mittelkonsole fehlt die sonst markenübliche Klobigkeit, sie will von rotlackierten Fingernägeln berührt werden, nicht von jenen mit dem Dreck darunter. Jetzt fehlt nur mehr, dass sich das Ding auch so fährt wie es aussieht. Die ersten Serienfahrzeuge werden hierzulande für September erwartet.

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Monday, 21.05.2012, 15:10 Uhr

Autorenprofil Franz J. Sauer

Franz J. Sauer
Der Sauer. Automobilfetischist, Original, Chefredakteur des "Motorradmagazins", Gelegenheitsblogger auf "Zeit im Blog 21".

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