Oversexed
Too much information: Pandora fühlt sich nicht nur von Penissen umzingelt. Und vermisst die Zeiten, die nur halb so geil waren.
Freunde, ich frage euch: Was ist los mit dieser Welt? Nun, sie ist wild und hat ein verrücktes Herz, das weiß ich, seitdem ich mir im Zuge meiner letzten Quarter-Life-Crisis eine halbe Flasche Gin und die David Lynch-DVD-Box reingezogen habe. Aber ist sie auch dauergeil? Immer willig? Wahl- und maßlos? Weltenbürgerin T. ist es. Im Zuge eines spontanen Gelages in meiner Bude wurde mir dieser Zustand erst vergangene Woche schmerzhaft bewusst. T., eigentlich ein recht herziges Geschöpf, ließ sich von einem Gruppengespräch über sexuelle Vorlieben derart erhitzen, dass sie sich coram publico die Hose öffnete, sich beherzt in den Schritt fummelte und uns alle wissen ließ, dass sie “von dem ganzen Gerede schon ganz feucht” sei.
Gott sei Dank umgab mich zu diesem Zeitpunkt bereits eine solide Schutzmauer aus Rausch, denn ich saß ihr schräg gegenüber. T. langte dann in schneller Folge erst meinem Holden ans Gemächt, dann mir an die Brust, eine Geste, die augenscheinlich die Aufforderung zur Paarung beinhaltete. Und genau an dieser Stelle muss ich kurz mal Stopp schreien: Ich steh nicht drauf, wenn mir jemand mit Muschisaft auf den Fingern vor dem Gesicht herumfuchtelt. Ich ficke nicht jeden, der gerade ficken will. Und schon gar nicht all jene, die mir ihren Trieb wie einen Bären aufbinden wollen. Das ist langweilig. Witzlos. Manchmal sogar erbärmlich.
Wie neulich in der Loos Bar: Mir nähert sich eine wackelige Blondine (ja, werter Leser, auch mir fällt diese magische Anziehungskraft meiner Person für Blondinen in letzter Zeit auf – falls ich dahinterkomme, woran es liegt, gebe ich sofort Laut; versprochen!), steckt mir ihre Zunge ins Ohr und nuschelt in etwa so was wie “heiße Alte” oder “heiß-kalt”, ich weiß es nicht genau, es war sehr voll, es war sehr laut. Mein Alter am Sitz daneben wird sofort spitz wie Nachbars Lumpi, bekommt Basedow-Augen und circa zehn Hände. Ich versuche mich in Konversation, frage die Blondine nach dem werten Befinden – welches abgeklärt werden muss, bevor man miteinander lustig wird, denn: Ihr verrutscht sofort das Make-up, sprich das gerade noch so brünftige Wesen fällt an meiner Schulter in sich zusammen, bricht in Tränen aus, ihr Freund habe sie gerade verlassen und so weiter und so fort. Ich total zerrissen, denn jetzt galt es gleichzeitig die Dame zu trösten und meinem Mann eben diesen Zustand vor Augen zu führen, was schwer ist, denn sein Blut befand sich schon lange nicht mehr in seinem stolzen Haupt.
Klingt ermüdend. Ist es auch. Entweder trage ich das falsche Parfum oder es herrscht tatsächlich eine New World Order. Offenbar gehört es zum guten Ton, seine Sexualität wie eine neue Handtasche vor sich herzutragen – mit dem festen Vorhaben, jeden, wirklich jeden, hineinschauen lassen zu wollen, egal ob derjenige jetzt gerade mag oder nicht.
Gut, von Männern ist man das ja gewohnt, das liegt am Testosteron. Aber mir scheint, die Damen von heute sind wenig damenhaft. Muss so ein Post-”Riot Girl”-Phänomen sein. Vielleicht hat uns auch “Feuchtgebiete” oder “Das sexuelle Leben der Catherine M.” das Hirn verbrannt und die Scham lahm gelegt. Ganz offensichtlich habe ich den Zeitpunkt verpennt, an dem “Hey, ich würde gern mal mit dir essen gehen” zu “Hey, ich würd’s dir gerne besorgen” mutierte. Und “Die Kleine dahinten ist aber hübsch” von “Die Kleine dahinten ist aber eine Drecksau” abgelöst wurde.
Keine Sorge, ich bin nicht plötzlich prüde oder laufe im Faltenrock und mit Sarah-Palin-Button durch die Nächte. Aber ich vermisse zusehends das Geheimnis. Das Spiel mit dem Feuer. Das, was zwischen den Zeilen geschrieben steht. Den Rest lesen Sie so und so bei mir.








Userkommentare