Love and Marriage
Pandora steigt auf die Bremse – trotzdem herrscht noch nicht tote Hose. Ihre Erkenntnis nach Jahren, in denen sie durch die Betten hüpfte: Als Ehefrau kann sie, muss aber nicht...
Manchmal fehlen mir die Worte. Das letzte Mal als ich sprachlos war, studierte ich gerade die Website von Veronica Moser. Fragt mich nicht warum. Die Dame jedenfalls, eine resolute Ex-Sekretärin aus Wien, hat sich unter dem Namen Pornorella einen Namen gemacht und spielte in über 120 Filmen, von denen die Mehrzahl Koprophilie zum Thema haben. Ein ziemlich beschissenes Business.
Das zweite Mal, an dem ich nach Luft ringen musste, telefonierte ich gerade mit dem Verleger meines Buches. Ich weiß nicht, ob er es nur gut meinte oder doch von allen guten Geistern verlassen war, jedenfalls schlug er mir vor, einen Roman zu schreiben. Was an sich keine üble Idee ist, nur das Thema ließ mich schlucken. „Libidoverlust! – Schreib doch, wie es ist, wenn man nicht mehr will!“ Ich legte mit dem Versprechen auf zumindest darüber nachzudenken.
Also, nur so zur Beruhigung, liebe Leser: Ich will noch und ich kann noch. Rein theoretisch. Rein praktisch bin ich seit sechs Monaten verheiratet – und nichts, wirklich nichts ist mehr so wie früher. Mein Mann, einst ein Rocker und Rebell, hat Jeans und T-Shirt gegen den einen oder anderen Maßanzug getauscht und lässt dem Ruf der Natur freien Lauf. Er schuftet. Er ernährt. Er will ein Haus bauen. Gut, ab und an torkelt er immer noch frühmorgens schwer devastiert gegen die Haustüre, nur meistens sind irgendwelche durstige Investoren der Anlass und nicht ein Rapid-Match oder ein Motörhead-Konzert wie einst.
Und ich? Vergesse doch glatt, dass das gute Stück Arsch in meiner Hose auch anderen gefallen könnte. Unlängst bin ich vor der Damentoilette des „Motto am Fluss“ von einem knackigen Tiroler angequatscht worden. Erst nach geschlagenen 30 Minuten ließ ich mich von meinen Freundinnen überzeugen, dass der Herr mir ans Höschen und nicht an die Geldbörse wollte. Und zuhause? Was soll ich sagen – angesichts eines Lebens auf der Überholspur bremst man sich lieber gemeinsam am Sofa ein.
Verrat für eine heiße Nacht
Vielleicht wäre das anders, wenn ich den ganzen lieben Tag Zeit hätte, mir Anti-Cellulite-Creme auf die Schenkel zu schmieren, während andere die niederen Dienste des Alltags verrichten. Aber üblicherweise schlage ich nur wenige Minuten vor meinem Herzallerliebsten zuhause auf, abgehetzt, hungrig und nicht willens, die Sex-Bestie vorzugaukeln. Aber Libidoverlust? Das geht zu weit, Herr Verleger!
Jahrelang sind ich und der Herr Gatte (getrennt voneinander) durch die Betten gehüpft, haben uns verrenkt, gestresst und uns für eine gute Nummer auch schon mal verraten. Wir hatten Zweier, Dreier, Vierer, Orgien und manchmal waren wir beim Sex sogar bewusstlos. Wir haben Pornos geguckt, es in Flugzeugtoiletten getrieben und Klamotten angezogen, die uns nicht geschmeichelt haben. Jetzt sind wir verheiratet. Wir können, müssen aber nicht. Also, Herr Verleger: Die Hose ist nicht tot. Sie ist einfach nur ein wenig gefälliger geschnitten.








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