Lynch-Justiz mit Niveau
Flaschenpost aus Neunkirchen: Weinkenner Roland Graf stellte sich der Bordeaux-Challenge.
Während allenthalben die Jahrgangspräsentationen der 2010er starten (darüber mehr demnächst), schaute ich mir 14 Bordeaux ab 1988 an. Eingeladen hatte der junge Sammler Christian Brunthaler, der sich auch so Scherze mit den Connaisseuren erlaubt, wie den gleichen Wein im verdeckten Flight in zwei Gläsern zu servieren.
Thema des Abends in Neunkirchen war Lynch Bages, die Entwicklung des Pauillac-Weinguts erwies sich dabei als recht unterschiedlich, was vor allem die „Wetterfühligkeit“ des mit mindestens 70% in den Cuvées vertretenen Cabernets mit sich bringt. Die 17,5 Punkte auf der 20er-Skala unterschritt aber keine der gereichten Flaschen, man trank also mit Niveau.
Während der Jahrgang 2002 noch ein leichtes Bitterl und kräftige Tannine aufwies (so ist er halt, der Cabernet), rang der 2003er mit seiner dichten Art und den Walderdbeeren im Duft Bewunderung ab. Wirklich schön standen die Jahrgänge 1998 und 2000 (Malzkaffee und Zwetschkenfleck im Duft, sehr balancierter großer Stoff) da. Einigkeit herrschte in der Runde beim Wein des Abends. Der als „Pirat“ in die Vertikalverkostung geschmuggelte Château Léoville Las Cases mit seinem Espresso-Cassis-Kardamon-Duft stammte aus dem Jahr 1990 und war in bestechender Form. Da hatte selbst der Abschlußwein, Angelus 2003, trotz feinmineralisch-eleganter Art, das Nachsehen. Ein Bordeaux-Vorurteil widerlegte die kundige Runde aus dem Schwarzatal: Es gab keine einzige Flasche mit Korkfehler.
Die reifen Jahrgänge sind nur mehr fallweise im Handel erhältlich, z. B. unter www.1855.com (2000 aktuell für 280,- Euro).









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