Liebe mit Schmäh
Mit einem Kollegen hüpft man schon mal ins Bett - aber sowas ist selten: Monica Weinzettl und Gerold Rudle machen seit 5 Jahren gemeinsam Kabarett und seit vier Jahren auch privat gemeinsame Sache. Mit Wohnwagen-Romantik, tapezierten Möbeln, Liebeserklärungen hart an der Kitsch-Grenze und der ästhetischen Gewissheit: „Ein Spoiler kommt keinem von uns beiden ins Gesicht.“
Es ist ganz einfach: Wenn ich einkaufen gehe, dann gehe ich einkaufen und unterhalte nicht den ganzen Billa“, sagt er trocken. „Klar betrachten wir die Welt lieber von der witzigen Seite. Aber wir kugeln trotzdem nicht vor lauter Lustigkeit zu Hause herum“, sagt sie. Und dann lachen sie beide, ein bisserl verliebt und ein bisserl ironisch; und wir kennen uns nicht ganz aus: War das jetzt ein Schmäh oder wie oder was? Egal, wir lachen halt mit.
Monica Weinzettl und Gerold Rudle zu interviewen, ist in der Tat ein Vergnügen, auch wenn man bei so viel zweisamer Vertrautheit als Dritter zeitweise ganz gewaltig auf der Seife steht.
Also, jetzt im Ernst – wie ist das bei euch daheim? Probt ihr in der Küche, im Wohnzimmer oder sonst wo? Monica: „Nachdem wir zusammen leben und kein Theater sind, wo andere die Probenzeiten bestimmen, können wir gut jeden Tag aufs Neue beschließen: Wie weit sind wir? Was brauchen wir dringend? Ab und zu passiert es auch, dass wir sagen: Jetzt sollten wir wirklich wieder ein bisschen Gas geben.“
Gespielte und gelebte Träume
Ihr neues gemeinsames Stück „Träum weiter …“ hat am 21. März im Schutzhaus Zukunft auf der Wiener Schmelz Premiere. Und diesmal geht’s nicht wie in den drei Vorgänger-Programmen um den Kampf der Geschlechter. Gerold: „Es ist mehr so ein unserem Alter entsprechender, lustiger Gefühlszustand.“ Und was, bitteschön, heißt das? „Es geht darum, dass jeder sagt: Das Leben wird besser, wenn ich aus der Schule bin, wenn ich mit dem Studium fertig bin, wenn ich verheiratet bin, wenn ich Kinder habe, wenn die Kinder aus dem Haus sind. So verschiebt man sein Leben. Ich glaube, dass jeder sich einmal sagt: Irgendwann steige ich aus. Darum geht es im Programm. Auch ein bisschen zu sagen: Träume sind wichtig. Aber sollten sie Träume bleiben oder soll man sie umsetzen?“, erklärt Monica.
Na, dann fragen wir halt so: Wovon träumt ihr? Monica sagt’s profan: „Ich möchte gerne Italienisch lernen, einen Roman schreiben und mit meinem Hobby um die Welt kommen. Ich tapeziere Möbel, man nennt das Decoupage-Technik.“ Gerold sagt’s mit einem Rosamunde-Pilcher-Blick und schmalzigem Timbre: „Mit der Monica bin ich wunschlos geworden, weil mehr geht nicht.“

Einen gemeinsamen, fast ein bisschen bieder anmutenden Traum haben sich die beiden schon verwirklicht: einen Wohnwagen. In Frankreich und Kroatien waren sie schon damit, heuer kommt das fahrende Schlafzimmer auch bei ihrer Tournee zum Einsatz. „Man fühlt sich ein bisschen wie ein Abenteurer, obwohl man das nicht ist, weil man jeden Komfort hat.“ Und einen anderen Traum ihrer Jugend, den sie auch auslebte, hat Monica mittlerweile begraben: den von der Freiheit auf zwei und vier Rädern. Einst fuhr sie Mountainbike-Downhill-Rennen und Sportwagen. „Damit ist jetzt Schluss. Ich bin nur noch unwürdig ausgestiegen. Mir tat die Hüfte immer weh, weil man so weit unten sitzt. Auch mein Motorrad musste letzten Sommer dran glauben. Jetzt fahren Gerold und ich nur noch bequeme Geländeteile.“
Nein zu Schönheitsoperationen
Klingt das nicht ein bisschen nach dem Vorhof zum Rentner-Dasein? „Noch bin ich in einem Alter, wo ich guten Gewissens sage: Ich möchte nicht mehr jünger sein. Abgenommen habe ich früher geschwinder. Gelaufen bin ich früher auch geschwinder. Dafür sind manche Sachen nicht mehr so geschwind und das ist auch okay“, sagt der 48-Jährige. Und seine 43-jährige Lebensgefährtin und Botox-Verächterin ergänzt: „Spiegel verhüllen. Schleier tragen. Das ist im Vergleich zu Schönheitsoperationen die billigere Variante. Die werden sich in den nächsten Jahren erledigt haben, weil man es einfach sieht. Ich glaube, dass es irgendwann abstoßend sein wird und dass man wieder die hervorhebt, die sich nicht herrichten haben lassen. Das ist so wie bei einem getunten Auto. Beim Menschen kann man nur nicht mehr zurücktunen. Also, wer mal einen Spoiler im Gesicht hat, der hat den Spoiler im Gesicht.“
Weinzettl & Rudle: Geboren 1967 und 1963 in wien. Monica war Mitglied in der Kabarettgruppe Schlabarett, spielte in Muttertag, Kaisermühlenblues - und gab die legendär dumpfbackige Frau Knackal in MA2412. Gerold beendete seine Ausbildung am Volkstheater, spielte Kabarett (Solo, Killerkipferl, Alles wird gut) und war im Fernsehen sowie als Moderator tätig. „Träum weiter …“ ist ihr viertes gemeinsames Programm. Gernot Rudle ist geschieden und hat zwei Kinder (Nicola ist 18, Tim 11).







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