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Give Pulp A Chance!

Das Schmutz- und Schundgesetz von 1950, das dem Schutz der Jugend „vor sittlicher Gefährdung“ dienen sollte, versetzte der heimischen Heftromanszene den Todesstoß. Sechs Jahrzehnte später erlebt das Genre mit SUPER PULP seine längst fällige Renaissance. Mitherausgeber Peter Hiess darf im WIENER schamlose Eigenwerbung betreiben.

Geben Sie’s zu – auch Sie haben irgendwann Schundhefte gelesen. Sie waren eine verpatzte Jugend lang mit G-Man Jerry Cotton und seinem roten Jaguar in Manhattan auf Gangsterjagd oder erforschten mit Perry Rhodan („Unser Mann im All“) und dem Mausbiber Gucky die unendlichen Weiten des Universums. Vielleicht haben Sie sogar in die unsäglich romantischen Ärzte- und Fürsten-Romane hineingeblättert oder als echter Tabubrecher die schwer revisionistischen Landser-Heftln verschlungen.

Irgendwann war es dann vorbei. Weil Ihre Eltern das spannende Lesematerial immer weggeschmissen haben, um Sie der Hochkultur zuzuführen. Weil Sie von daheim ausgezogen sind und die Heftstapel, die im Jugendzimmer unter dem Bett verstaubten, nicht mitschleppen wollten. Oder weil Ihnen irgendwer eingeredet hat, dass Sie endlich „erwachsen“ werden sollten…

Eigentlich schade. Jahrzehnte später, wenn Sie sich lange genug mit den Belanglosigkeiten der Bestsellerlisten fadisieren mussten, kommen Sie nämlich drauf, wie gern Sie früher gelesen haben. Dann entdecken Sie in irgendeiner Trafik oder im Bahnhofsbuchhandel (neben den Donald-Comics, die Sie ja schon längst wieder kaufen wie ein Besessener, angeblich wegen der Kinder …) die alten Serien wieder, lassen sich eventuell auf ein paar neue ein und verschlingen die Hefte heimlich in der Straßenbahn, versteckt zwischen den Seiten der sogenannten Qualitätszeitungen, um sich endlich wieder richtig unterhalten zu lassen. Und vielleicht fragen Sie sich sogar einmal, wer hinter diesen Romanen steckt, was zwischendurch handlungsmäßig passiert ist und ob es da nicht irgendwelche alten Ausgaben gibt, die Sie unbedingt brauchen.

Und schon ist es passiert: Sie hängen wieder an der Pulp-Nadel. Sie treiben sich in den letzten verbliebenen Romantauschzentralen herum, um antiquarische Kommissar X- und Mister Dynamit-Abenteuer zu erstehen. Und Sie abonnieren die John Sinclair-Gruselkrimis gleich für die nächsten zehn Jahre.

So, und jetzt wird’s persönlich.

Als Journalist befasse ich mich seit fast 30 Jahren mit (Pop-)Kultur – Büchern, Comics, Games, Platten und Filmen. Jedes Mal, wenn ich in dieser Zeit Gelegenheit hatte, einen Vertreter der „Trivialliteratur“ zu interviewen, wurde mir bewusst: Diese Verfasser billiger Heftromane und Taschenbücher sind viel interessanter und witziger, haben viel mehr erlebt und beherrschen ihr Handwerk viel besser als die „ernsten“ Schriftsteller mit ihrer langweiligen Betroffenheits- und Befindlichkeitsrhetorik, ihren hohlen Phrasen und ihrem unverhohlenen Hang zum Elitären.

Einer der Autoren, die ich so kennenlernen durfte, war ein gewisser Robert Draxler, der nicht nur dieselben schundigen Hobbys pflegte wie ich, sondern auch gerade einen Roman mit dem vielversprechenden Titel The Nazi Island Mystery geschrieben hatte. Roberts Künstlername war r.evolver – und da ich damals immer noch Chefredakteur der von mir miterfundenen Internet-Zeitschrift EVOLVER war, sah ich das als ein Zeichen der gütigen Aliens im Himmel. Wir veröffentlichten den Roman online, in Fortsetzungen, wie sich das gehört, und sprachen schon damals darüber, dass man ihn eigentlich auch in Buchform auf den Markt werfen sollte.

Schnitt. Zehn Jahre später. Das dritte Jahrtausend roch schon ein bisschen seltsam, und allerorten redete man darüber, dass das Internet die Printbranche bald erledigt haben würde. Was blieb uns zwei Pulp-Verrückten, die US-Paperbacks mit herrlichen Covers sammelten, Comics lasen und den österreichischen „Verein der Freunde der Volksliteratur“ – Heftlsammler mit wunderbaren Geschichten – liebten, da anderes übrig, als endlich einen Verlag zu gründen?

EVOLVER BOOKS gibt’s jetzt seit einem Jahr – ein Guerilla-Projekt, das gepflegten Trash in schön gestalteten Kleinauflagen herausbringt, nach Nazi Island die Anthologie Das Buch der lebenden Toten mit deutschsprachigen Zombie-Stories machte und noch viel mehr vorhat. Und als dem Herr Draxler vor ein paar Monaten die geniale Idee kam, den vor 60 Jahren von rabiaten Jugendschützern gekillten österreichischen Heftroman wiederzubeleben, zogen wir natürlich auch das durch. Das Ergebnis (natürlich im traditionellen Jerry-Cotton-Format) heißt SUPER PULP – und wir sind sagenhaft stolz darauf. Fangen Sie also gleich an zu sammeln.

SUPER PULP, Nummer 1. Das Fachblatt für Pulp-Thriller, Horror & Science Fiction“ bringt: Andreas Winterers Zwischenfall im Interstellar Express (SF-Parodie), Philipp Schaabs Das Schamanenerbe (Untoten-Grusel), r.evolvers Kay Blanchard in: Rollercoaster of Hate (Cheap Thrills) (Wer zwei Bücher kauft, kriegt SP geschenkt.) www.evolver-books.at
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Thursday, 17.05.2012, 09:41 Uhr

Autorenprofil Peter Hiess

Peter Hiess
Geboren 1959 in Wien; lebt und wirkt dortselbst als Textverarbeitung (Journalist, Autor und Übersetzer). Begann dann seine Karriere als freier Journalist bei "ÖH-Express", "Wiener" und "Musicbox". Seither Autor, Herausgeber und/oder (Chef-)Redakteur bei unzähligen Zeitschriften - von "Wienerin" über "Männer-Vogue", "City", "Gesunde Stadt", "Ahead" und "Ego" bis zu "IQ" und natürlich der Netzzeitschrift "EVOLVER". True-Crime-Buchserie (div. Verlage) mit Christian Lunzer. Hat eine ungesunde Faszination für Donald Duck, erschwörungstheorien und postapokalyptische Szenarien.

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