Family Business
Eh klar, Thailand. Im fernen Asien entdeckte WIENER-Sexkolumnistin Pandora Reithermann, dass ihre (Wahl-)Verwandtschaft weit größer ist als bisher gedacht.
Verschwitzte, dicke Deutsche (in Ausnahmefällen auch Engländer oder Holländer, die Ösis nicht zu vergessen), die käuflichen Thai-Mädels (welche höchstwahrscheinlich ganze Familien ernähren) an ihre XS-Slips langen. So ein Urlaub hat seine optischen und emotionellen Tücken. Ablenkung ist immer willkommen, und da man sich mit Reisebegleitern nicht ewig darüber unterhalten kann, wie oft die Tom Ka Gai-Suppe tatsächlich brennt, schweift die Unterhaltung manchmal auch ins Sexuelle ab.
Bei dem einem Glas Samsong (Thai Whiskey oder Rum, man ist sich da nicht so sicher) erörterten E. und ich unsere Vorleben und Vorlieben, unsere uns Zugemuteten hatten das Weite gesucht, um im Idealfall mehr Samsong zu besorgen. Lang dauerte es nicht, schon hatten das Fräulein und ich mindestens einen gemeinsamen Nenner gefunden.
Garstige Wörter
Im Wienerischen gibt es für das Phänomen, das beschreibt, wie zwei Menschen Geschlechtsverkehr mit der gleichen Person hatten, garstige Wörter. “Lochschwestern” ist das eine, “Futschwager” (wuaaaah!) das andere. Man kann auch “Lochschwager” dazu sagen, und wenn man diesen Begriff googlet, kommt man wiederum zu einem Artikel mit dem klangvollen Titel “Oliver Pocher und Boris Becker sind jetzt offiziell Lochschwager”. Sie wissen schon, weil beide diese ewige grantelnde Sandy oder Alessandra oder wie auch immer sie heißen mag, gepoppt haben.
Aber zurück zu mir und E., die im fernen Thailand unter dem Bambusdach der Hotellobby saßen, währen dicke Regentropfen unser Drinks wässerten (das Dach war undicht). Wir meditierten über Schwanzgrößen, also rein thematisch. Ich gab meine beliebte Geschichte vom berühmten zweiten Mal zum Besten – als ich knapp nach meiner Defloration meinen ersten Permanent-Lover kennen lernte, der so beschaffen war, dass Sex sich stets wie eine Magenintubation/Darmspiegelung anfühlte. Von wegen “Pain is so close to pleasure” oder “No pain, no gain”.
Richtig lustig wurde es aber erst, als ich den Namen von Mr. Big erwähnte, der rein zufällig wie ein berühmter russischer Komponist heißt. “Ahhhh, den kenn ich, der ist fesch!”, kreischte E., und ich ließ sie kreischen, denn wirklich fesch hatte ich ihn nicht in Erinnerung, und das passive Kompliment tat mir gut. Pause. Samsong-Schlückchen. “Und du hast recht, er war riesig!” Großes gehirnbefreites Gekichere, spontane Umarmung. E. und ich waren auf einmal gleich doppelte Lochschwägerinnen (es muss dafür ein schöneres Wort geben, falls ja, lassen Sie mich es wissen), denn immerhin hatten wir uns ja über W. kennen gelernt, den sie längere Zeit ihr eigen nannte, ich ihn immerhin hin und wieder. Hurrah. Wir ergingen uns also in Details, bis die uns Zugemuteten von ihrer Mission zurückkehrten und komische Gesichter schnitten – also eigentlich grimassierte nur E.’s Holder, mein Gatte kennt mein promiskuitives Vorleben und schätzt es aus vielerlei Gründen. (Oder es ist
ihm einfach scheißegal.)
Neue Verwandtschaften
Was den Rest der Männerwelt betrifft: Auch im 21. Jahrhundert reagiert der Durchschnittstestoroni verhalten, so seine Liebste mehr als 3 ½ Kerben in ihrem Bettpfosten unterm Kissen versteckt. Die Unterhaltung drehte sich also in eine softpornographische Richtung: wen die beiden Mannsbilder schon gemeinsam geknallt hatten. Auch nacheinander, aber in weitaus geringeren Abständen als ich und E. Hinfort war die detailversessene Zärtlichkeit, mit der wir Mädels Erfahrungen ausgetauscht hatten. Gegröhle. Schenkelgeklopfe, Samsong-Schlückchen. Ich fingerte eine Zigarette aus der enorm Anti-Tschik gebrandeten Schachtel (Raucherlunge, Zungenkrebs, Gebiss, das aus gelben Zahnstümpfen besteht, künstlich beatmeter Menschen mit Schläuchen im Körper, etc.), setzte mein bestes Mae-West-Gesicht auf, ließ mir die Dame beschreiben: “Nun, dann sind wir jetzt wohl alle verwandt!”. Pause. Samsong-Schlückchen. Themenwechsel.








Userkommentare