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Kolumnen

Bernd, der Dodel

Medienkompetenz im Unterricht verankern, ist ein hehres Ziel. In Bayern schuf man daher einen Medienführerschein für Grundschüler. Mit sehr, sehr merkwürdigen Inhalten.

Beantworten Sie folgende Fragen, um Ihre Medienkompetenz unter Beweis zu stellen:

1) Welche Aussage stimmt?
a) Jeder kann im Internet schreiben, was er will.
b) Texte im Internet werden von dem Kontrollamt auf Richtigkeit überprüft.

2) Was versteht man unter einem Blog im Internet?
a) Blog ist der englische Fachausdruck für eine spezielle Computersprache. Alle Wörter werden in Blöcke gesetzt.
b) Unter einem Blog versteht man das Logbuch eines Schiffskapitäns im Internet.
c) Ein Blog ist so etwas ähnliches wie ein persönliches Tagebuch im Internet.

3) Welche Aufgaben hat der Journalist? Es können mehrere Antworten richtig sein. Kreuze diese an.
a) Informationen beschaffen
b) Informationen bewerten
c) Geschichten erfinden
d) Texte aus dem Internet abschreiben.

Das ist ein Ausschnitt aus jenem Material, das vom Bayrischen Unterrichtsministerium zur Verfügung gestellt wird, um Grundschüler einen differenzierten Umgang mit Medien – allen voran den neuen – zu lehren. Unter dem Motto “Schau genau hin!” warnt der schlaue Fuchs Felix vor der allseits drohenden Gefahr der Falschinformation, ähnlich wie dereinst Helmi vor rasenden Raudis. Mich frustriert das, denn ich merke, wie mies es um meine persönliche Medienkompetenz bestellt ist:  Mit den Antworten tu ich mir nämlich schwer, zumal ich obige Testbeispiele “aus dem Internet abgeschrieben” habe. Ist das künftig meine Aufgabe als Journalistin? (Merke: JournalistINNEN gibt es in Bayern scheinbar gar nicht, aber lassen wir großzügig die Gender-Keule im Sack).
Auch lese ich vorrangig Polit-Blogs, die ich weder als Tagebuch, noch als Schiffsmeldung einzuordnen vermag. Und ich schreibe, beruflich wie privat, im Internet. Dabei leider selten “was ich will”.

Puh. Zum Glück gibt es Anschauungsmaterial, das mir aus der Patsche hilft. Dem Test liegt ein Comic bei, der anhand eines Handtaschenraubs den Weg der Nachricht zum Leser schildert (LeserINNEN? No way!). Während der Journalist recherchiert und Information zum Tathergang bei der Polizei einholt, setzt sich Blogger Bernd an seinen Rechner “und schreibt, was ihm zum Überfall so einfällt”.

Oh du holde Überlegenheit! Das Fellner Imperium ist quasi rehabilitiert und, fein, wir können die Mär vom Qualitätsjournalismus der Zeitungen, der im krassen Gegensatz zu einem qualitativ minderwertigem Netz-Journalismus sans principes steht, schon 8-jährigen einpflanzen. Der Spiegel fasst es schön zusammen: “Im Internet steht Quatsch.”

Seien Sie also glücklich, dass Sie beim WIENER-Lesen gemeinhin Gedrucktes in Händen halten, denken Sie nicht darüber nach, welcher Berufsverband den Test erstellt hat und schicken Sie mir eine Brieftaube, wenn Sie die beiden Fehler im Text gefunden haben.

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Thursday, 17.05.2012, 09:27 Uhr

Autorenprofil Nicole Kolisch

Nicole Kolisch
Girl Geek in Residence beim WIENER, verantwortlich für wiener-online, Gelegenheitsbloggerin für "Zeit im Blog 21", der konstante Versuch auf 17 Stühlen gleichzeitig...

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