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Vom Nimbus der Unlesbarkeit

Ulysses – Einzigartig? Der Mythos der Unlesbarkeit macht so manches literarische Monstrum berühmt. Eine Auswahl.

01 James Joyce, Finnigans Wake
Joyce’ zweites Opus magnum ist noch verrätselter als das erste. Die Forschung streitet, ob in dem Roman eine Geschichte erzählt wird oder nicht. Unlesbar ist es vor allem, weil Joyce darin nicht nur verschiedene englische Worte neu zusammensetzte, sondern sich auch hunderter Fremdsprachen bediente.

02 Arno Schmidt, Zettel’s Traum
Wenn in „Ulysses“ ausgiebig Shakespeare-Interpretation betrieben wird, lassen sich die Figuren in Schmidts (Alb)traum auf 1336 A3-Seiten über Edgar Allan Poe aus. Das 1970 erschienene Buch, dessen Aufwand seinen Autor völlig ruinierte, ist Kult, obwohl (oder weil) es vierzig Jahre lang nur als Typoskript erhältlich war. Erst 2010 brachte Suhrkamp eine gesetzte Ausgabe heraus.

03 Thomas Pynchon, Die Enden der Parabel
„Ulysses“-artige Reaktionen – ein Skandal, ein Verkaufserfolg, und der Eingang in den Literaturkanon: „Obszön und unlesbar“ hieß es vonseiten des Vergabekomittees des Pulitzer-Preises 1974, das die Entscheidung der Jury für das postmoderne Opus des Amerikaners nicht mittragen wollte und stattdessen einfach niemanden auszeichnete.

04 Marianne Fritz , Die Festung
2007 starb die Österreicherin mit knapp 60 Jahren. Ihr Werk – denn seit 1978 arbeitete sie ausschließlich an dem „Festungsprojekt“ – setzt sich mit österreichischer Geschichte seit 1918 auseinander. Die dabei entstandenen tausenden Seiten, mit denen niemand fertig werden kann (auch die Autorin selbst nicht), sind auch heute noch Gegenstand der Initiative Fritzpunkt, die seit über 20 Jahren versucht, es im Zuge öffentlicher Veranstaltungen zu verarbeiten – etwa so: tausend Menschen versammeln sich auf einem Platz, jeder liest ein paar Seiten, gleichzeitig.

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Thursday, 17.05.2012, 09:21 Uhr

Autorenprofil Martin Thomas Pesl

Martin Thomas Pesl
Martin Thomas Pesl, geboren 1983 in Wien, arbeitet von ebenda aus als Sprecher, Übersetzer für Deutsch, Englisch und Ungarisch, sowie seit 2008 als Autor für den WIENER.

» Alle Beiträge von Martin Thomas Pesl » Private Webseite

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