Schattenspiel
Selbsterkenntnis und erste Schritte zur Besserung. Hier lesen Sie, wie Sie mit Ihrem unter-bewussten Kumpel alltägliche Ärgernisse zu persönlichkeitsstärkendem Ich-Training machen.
Der Alltag ist eine Kampfarena. Ständig muss man sich verteidigen – gegen Neider, Büronattern und andere Quälgeister. Das raubt einem manchmal die letzten Kräfte. Dabei sind die ungeliebten Zeitgenossen nichts anderes als dein Spiegelbild. Willst du sie verändern, musst du dich und deine Einstellung ändern. Um ein Lächeln auf die Gesichter mieselsüchtiger Mitmenschen zu zaubern, solltest du ihnen lächelnd entgegentreten.
Wenn dich etwas besonders aufregt, ist das meist ein Zeichen für einen unbewussten Bereich deiner Persönlichkeit. Der Psychotherapeut C. G. Jung bezeichnete diesen Bereich als “Schatten”. Lass ihn uns doch lieber “Kumpel” nennen, das erleichtert die Sache.
Übung: CSI: “Ich bin”
1. Schritt: Täterprofil. Beschreibe deinen Kumpel möglichst genau. Was genau stört dich? Die Unpünktlichkeit deiner Mitarbeiter, die Überheblichkeit deiner Vorgesetzten?
2. Schritt: Bewährungshilfe. Jetzt ist Nähe angesagt. Umarme deinen Kumpel symbolisch und versuch die möglichen positiven Eigenschaften an seinem Verhalten zu erkennen. Zeigt Unpünktlichkeit vielleicht auch einen sorgloseren Umgang mit der Zeit? Wagt der Vorgesetzte vielleicht, uneingeschränkt seine Meinung zu vertreten?
3. Schritt: Projektion. Beziehe die erkannten Eigenschaften jetzt auf dich. Würdest du vielleicht auch gern öfter frei über deine Zeit bestimmen dürfen und hetzt stattdessen fremdbestimmt von einem Termin zum nächsten? Würdest du gern viel öfter zu deiner Meinung stehen und bist wegen der Konsequenzen manchmal einfach zu feige?
4. Schritt: Rückführung. Versuch jetzt herauszufinden, woher dein Kumpel stammt. Wer genau sagt dir, dass du immer schneller am Ziel sein musst? Wer treibt dich an? Wer genau sagt dir, dass man die Meinung anderer akzeptieren muss? Wenn du wirklich ehrlich bist, wirst du schon bald die Ursprünge deiner Ansichten entlarven. Es sind fast immer die Bezugspersonen unserer Kindheit: Eltern, Omas, Freunde und andere Vorbilder. Deren Ratschläge waren meist gut gemeint. Später entstehen daraus aber die unbewussten Glaubenssätze, die uns nerven und Kraft rauben.
5. Schritt: Versöhnung. Nachdem du die Ursachen erkannt hast, kannst du dich um Versöhnung bemühen und deine Persönlichkeit in vollem Glanz erstrahlen lassen. Gestehe dir Neues zu und erlaube dir bisher Untersagtes! Etwa: “Ich kann mit meiner Zeit umgehen, wie ich will, und werde mir ab jetzt erlauben, einige Stunden mit Jux und Tollerei über die Runden zu bringen.” Oder: “Ich akzeptiere andere Meinungen, werde aber immer auch zu meinen Grundwerten stehen. Ob sie erwünscht sind oder nicht!”
Mit etwas Übung kannst du so Barrieren überwinden, die dich ärgern und bremsen. Dann werden selbst die schlimmsten Tussis, Kritiker und Besserwisser zu Lehrern. Und das macht sie sogar einigermaßen erträglich.
Folgende Tabelle kann helfen, die Botschaften deiner Mitmenschen zu entschlüsseln:
Linke Spalte: Das regt Dich auf / rechte Spalte: Vielleicht spiegelt es auch nur…
- Aggressivität ->Konfrontationsfähigkeit
- Autorität -> Selbstbestimmtheit
- Immer im Mittelpunkt stehend -> Selbstbewusst, kontaktfreudig
- Unsensibel, egoistisch -> konsequent, zielstrebig
- Unflexibel -> beständig, verlässlich
- Kritisch -> Aufrichtig, Direkt
- Träumerisch -> Visionär, kreativ
- Wechselhaft, unbeständig -> lebendig, flexibel
- Passiv -> Bescheiden
- Misstrauisch -> hinterfragend, lösungsorientiert


Interessanter Artikel! Über den Umgang mit dem “inneren Kumpel” schreibt auch Peter jedlicka in seinem Buch “Männercoaching” recht interessante Dinge.
Heinz