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Die drei mächtigen Männer von Ö3

2,8 Millionen Österreicher hören täglich Ö3. Das Erfolgsrezept ist einfach: Popmusik, Comedy und Nachrichten. Dennoch ist keine Konkurrenz in Sicht. Woran das liegt, sagen die Männer hinter Ö3.

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Es ist 06.59 Uhr. Noch läuft Werbung. Kurz darauf meldet sich Isolde Nothnagl mit den Nachrichten. Bekommt man dank der Ö3-Nachrichten tatsächlich einen „Informationsvorsprung“? An jenem Morgen berichtet Ö3 über Studiengebühren, Bundesheer und Ausländer. Themen, die auf breites Interesse stoßen. Robert Kratky kommt nach den Sport-Nachrichten nochmals auf die rege sexuelle Aktivität von Boxer Mike Tyson zu sprechen, der eben zum achten Mal Vater geworden ist. Kratky: „Was macht der eigentlich jetzt? … Ah, so.” Der Moderator hat auch lustigere Tage – heute war es für einen Gag zu früh.

Start in den Morgen

Der WIENER traf die drei wichtigen Männer von Ö3 in deren Machtzentrum zum Interview: Ö3- Chef Georg Spatt, Musik-Chef Alfred Rosenauer und Wecker-Chef Rolf Lehmann. Alle drei präsentierten sich locker im Interview, wenn auch Oberboss Georg Spatt in der Tonalität an einen Politiker erinnerte. Aber vielleicht muss man für die Schlangengrube Küniglberg auch so gepolt sein. Star-Moderator Robert Kratky war im Studio nicht mehr in Sichtweite, dafür Andi Knoll und Claudia Stöckl, die mit uns gleichzeitig kam und wieder ging. Rund 2 Millionen hören morgens täglich den Wecker, der als Zugpferd gilt. Wecker-Chef Rolf Lehmann macht kein Geheimnis aus den Erfolgsfaktoren: „Der Wecker als Morgensendung ist natürlich der entscheidende Faktor, wie sich die Hörerströme auf die einzelnen Radiosender verteilen. Aber dieses Radio-Gesetz hat Ö3 nicht erfunden. Der Wecker versteht sich als Begleiter in den Tag mit dem Mix aus Information, Musik, Service und Unterhaltung.“ Auch wenn Ö3 zuletzt leicht bei der Tagesreichweite verloren hat, so ist der öffentlichrechtliche Sender noch immer die klare Nummer 1. 2,8 Millionen Österreicher hören täglich Ö3. Ernst Grissemann, Ö3-Gründer und Chef der ersten Stunde: „Ein aufmerksamer Zuhörer hört, dass in das Programm investiert wird. Wecker, Satire – die mir übrigens auf Ö3 außerordentlich gefällt – und das Einbinden der Nachrichtenlage sind sehr gut gemacht.“

Ö3 als große Markenwelt

Für PR-Profis liegt der Erfolg auch im Markenimage begründet. Ö3-Chef Georg Spatt ortet die Grundsteinlegung in der Ära von Ernst Grissemann: „Wir haben einen riesigen Vorteil, für den wir nichts können: Unser Markenimage reicht bis in die 60er zurück. Das Vertrauen in unser Image muss ständig innovativ aufgeladen werden. Die Identität von Ö3 liegt sicher in der Musik! Wie wir Musik an uns heranlassen, hat sich seit den 60ern natürlich massiv verändert. Ö3 war früher der einzige Dealer, der junge Menschen mit seiner Musik verführt hat. Ich als Baujahr 66 habe Musik über ganz andere Kanäle wahrgenommen als die heutige Generation.“ Musik-Chef Alfred Rosenauer, einer der wichtigsten Männer in der heimischen Musik- Branche, ergänzt: „Der größte Einschaltimpuls für die Ö3-Hörer ist nach wie vor die Musik. Wir setzen uns durch, weil das Package stimmt. Mit der falschen Musik, aber den richtigen Personalitys hätten wir weniger Hörer.“

Ö3-Chef Georg Spatt räumt jedoch ein, dass es heutzutage nicht mehr ausreicht, sich nur über die Musik zu positionieren. Zur Marke gehören ebenso die Events in den Bundesländern wie die Ö3ver, die Wundertüte oder Team-Österreich- Aktionen. Senderchef Spatt gibt offen zu, dass die Charity-Arbeit professionelles Marketing ist: „Die karitative Arbeit ist kein persönlicher Herzenswunsch, sondern professionelles Herangehen. In der Markenphilosophie würde man sagen, das sind die Dinge, die Österreich bewegen. Uns wurde die Philosophie „Das Leben ist ein Hit“ immer wieder vorgehalten. Ich sage, es ist genau umgekehrt: Hilfsaktionen zu organisieren, um darauf hinzuweisen, dass für manche Menschen das Leben überhaupt kein Hit ist, ist eine lebensbejahende Philosophie. Ich zähle auch die Ö3ver dazu, eine aus den 70er Jahren kommende Community, die sich als freiwillige Helfer zusammen tun und gemeinsam vor Geisterfahrern warnen.“

Der Comedy-Faktor

Wenn Wecker-Chef Rolf Lehmann von Unterhaltung spricht, meint er die Comedy. Nicht zuletzt als Gag-Schreiber der „Comedy-Hirten“ ist er maßgeblich für den Humor auf Ö3 verantwortlich: „Ich bin in den vergangenen Jahren immer mehr von dem Begriff Comedy abgekommen und spreche von Unterhaltungsangebot, weil wir den Menschen Themen mit auf den Weg geben, die bereits virulent in der Luft liegen. Diese Themen sind witzig aufbereitet, damit eben die Hörer darüber sprechen.“ Damit sind nicht nur die Gags wie die „Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker“ oder der berühmte Weiße-Möpse-Song aus dem Winter 2009 gemeint, sondern auch wie Wecker-Moderator Robert Kratky Bonmots in seine Moderationen einbaut. Stichwort: das achte Kind von Mike Tyson.

Ein derzeit beliebtes Opfer der Ö3-Satire ist SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, deren Wiener Idiom und ihr rollendes R (uuuurrrrr cool) zum Gaudium der Zuhörer wird. Aber auch die grüne Wiener Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou, die anfangs als „Vassi-Hasi“ von Klein-Häupl in den „Schulerinnerungen“ eingebaut wurde, wird durch den Kakao gezogen. Ist Rolf Lehmann nicht schon einmal zu weit gegangen? „Man muss sich an die Grenzen herantasten. Wenn man das nicht tut, erreicht man nichts. Wir würden nie diffamieren, persönlich verletzen und hetzen. Gerade im Bereich der politischen Comedy achten wir darauf, dass wir uns nicht tendenziös auf eine bestimmte Partei einhauen. Bei uns kriegt jeder sein Fett ab, wenn er die Vorlage dafür liefert. Wir kampagnisieren nicht, wir verwerten nur die Vorlagen.“ Wenn Umweltminister Niki Berlakovic am Pariser Flughafen nicht tobt, kommt er auch nicht im Wecker vor. Dass manche Vorlagen etwas boshafter, manche etwas witziger verarbeitet werden, gehört schließlich zur journalistischen Freiheit.

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STATISTIK. 2. Halbjahr 2010 - Als meistgehörtes Radioprogramm Österreichs erreicht Ö3 täglich rund 2,8 Millionen Österreicher. Das entspricht einer Tagesreichweite von 37,1% und einem Marktanteil von 32 Prozent. Von 100 gehörten Radiominuten entfielen 76 Minuten auf einen Radiosender der ORF-Flotte.
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Userkommentare

1 Kommentar zu diesem Artikel | Kommentar schreiben
  • 17. März 2011 von Michael B.:

    Bitte, was soll diese Glorifizierung dieses Sch……Senders, dem Niedergang der musikalischen Kultur. Nicht böse sein, aber immer dieselben 20 songs monatelang, mehrmals täglich zu spielen, da gehört einiges dazu. Das ist für mich geradezu eine kulturelle Manipultation. Und dann sagen, die Leute mögen das hören. Eiune Frechheit, und dafür zahlen wir auch noch. Da gibts gorße Parallellen zum ORF-Fernsehen. Mag sein, dass manche Witze lustig sind, aber sonst. eine Katastrophe, wie überhaupt die ganze Radiokultur in unserem Land, bis auf wenige Ausnahmen.

    Ö3 ist deswegen an der Spitze, weil dahinter ein möchtiger Apparat mit ungeheuren Mitteln steht. Und die Qualität der Übertragung spielt auch eine Rolle. Man kann Ö3 in fast jedem Winkel Österreichs super empfangen, das kann sonst kein Sender. Also keine Kunst. Liebe Ö3-Verantwortlichen, macht endlich ein abwechslungsreiches Programm und nehmt euren Bildungsauftrag ernst. Ihr habt doch ein tolles Musikarchiv.

    lg
    Michale B.

wiener-online.at

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Männer - Zeitgeist - Lifestyle - Kultur

Thursday, 17.05.2012, 08:50 Uhr

Autorenprofil Anita Kattinger

Anita Kattinger
Die 28-jährige Publizistik-Absolventin begann ihre journalistische Laufbahn bei der Zeitschrift der Gewerkschaftsjugend und war mehrere Jahre als Innenpolitik-Redakteurin bei der Tageszeitung ÖSTERREICH tätig.

» Alle Beiträge von Anita Kattinger » Private Webseite

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