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Musik

Sportfreunde Stiller: Neu aufgestellt

Nach spaßigem Gitarrenrock, Fußball-Album und Bierzelthit haben die Sportfreunde Stiller mit ihrem Unplugged Programm ein neues Band-Ich gefunden. Was sie vom leisen Musizieren gelernt haben und wie das ihr nächstes Album beeinflussen wird, erzählen Sie im WIENER.

Sportfreunde StillerIch möchte eigentlich nicht über Fußball sprechen“, sagt Rüde Linhof, Bassist der Sportfreunde Stiller, „für mich ist das Thema vorbei“. Wie bitte? Jene Band, die so viel über das Kicken geredet, gesungen und geschrieben hat, will nimmer? Allem Anschein nach sind die letzten Fußball-Erfahrungen des Trios nicht ohne Spuren an ihm vorübergegangen. Dabei haben die drei aus Bayern stammenden Musiker Peter Brugger, Flo Weber und Rüde Linhof den Ballsport quasi in den Adern – in ihren eigenen und in jenen der Band.

Aber der Reihe nach. Gestartet im Jahr 1996, haben sich die Sportfreunde Stiller zu Beginn in sportlich-musikalischen Insider-Kreisen einen Namen gemacht. Nach einigen kleineren Indie-Pop Hits landeten sie zur WM 2006 mit ihrem Album „You have to win Zweikampf “ und der Single ‘54, ‘74, ‘90, 2006 in Deutschland einen Volltreffer. Der Riesenerfolg der Fußball-Hymne, die von den Public Viewing-Tribünen bis in den Bierzelten in ganz Deutschland rauf und runter gegrölt wurde, hat die Musiker ohne Zweifel aus der Bahn geworfen: „Erst mal sind wir wochenlang auf einer Welle der Euphorie geschwommen“, erzählt Bassist Rüde Linhof. Danach stellte sich Katerstimmung ein und die Sportis mussten erkennen, dass ihr Band-Fundament erschüttert war: „Das erste Mal in unserem Musikerleben haben wir festgestellt, dass wir einen fetten Rückschritt gemacht haben.“ Seither heißt es für die drei ein wenig Abstand nehmen vom runden Leder, zumindest musikalisch.

Keine Lust auf Proben

Geschafft haben sie das vor allem durch ihr MTV Unplugged Konzert, mit dem sie einen ganz neuen Weg eingeschlagen haben. Leise spielen war für das Trio immer ein Fremdwort gewesen, ordentlich reinhauen stand an der Tagesordnung, auch um die eine oder andere Schwäche zu überdecken, wie Rüde Linhof berichtet: „Wir haben früher so gut wie nie geprobt. Es war uns einfach zu stressig, weil wir so wahnsinnig laut waren.“ Im Probenraum der Sportis wurde mit der gleichen Lautstärke wie beim Frequency Festival abgerockt, kein Wunder, dass sich die Musiker da lieber auf ihr Können am Wuzzel- Tisch konzentrierten. Nach der Anfrage von MTV oder wie es die Sportis nennen, dem Arschtritt, hieß es erst mal ein halbes Jahr lang intensiv üben, leise spielen lernen und neue Instrumente entdecken. Fazit der Band: „Durch das ganze Proben spielen wir inzwischen einfach saugut zusammen.“

In New York in Höchstform

Und das hört man auch. Die alten Songs klingen mit neuem Anstrich und begleitet von Streichern und Bläsern tatsächlich ziemlich gut, vielleicht sogar besser als mit Strom. Und damit bei so viel ernsthafter Musik der Spaß nicht zu kurz kommt, erlaubten sich die Bayern schon beim Titel ihres Albums einen Scherz. „Unplugged in New York“ wurde nämlich nicht wie man vermuten würde am Big Apple, sondern schlicht in den Kulissen der Bavaria Filmstudios aufgenommen. Und weil die Sportis bis dahin tatsächlich noch nie in New York waren, gab es gleich das Duett mit Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“ oben drauf. In der Zwischenzeit waren die drei doch dort und liefen beim „Familienausflug“ zur Höchstform auf, als sie in einem New Yorker Indie-Club ihr Programm zum Besten gaben.

Mit diesen neuen Erfahrungen gehen die Sportis nun wieder ins Studio. Geplant ist weder dort anzufangen, wo sie vor dem Unplugged aufgehört haben, noch die Vorgeschichte der Band völlig zu verleugnen. „Ich würde gerne beides miteinander verweben.“, sagt Rüde Linhof.

Klar ist, dass bei den Sportis trotz der aktuellen Überlegungen der Fußball nie ganz wegzudenken ist, wie Sänger Peter Brugger nach dem Stadthallen-Gastspiel bestätigte: „Das nächste Mal möchte ich im Ernst Happel Stadion spielen – und zwar als Fußballer.“

SPORTFREUNDE STILLER: Das Trio, dessen Name auf den Fußballtrainer Hans Stiller zurückgeht, trat erstmals 1996 auf. Nach ihrem ersten Album „So wie einst Real Madrid“ im Jahr 2000, hatten sie mit ihrem Song „Ein Kompliment“ 2002 ihren ersten Hit. Nachdem Sie zur WM 2006 ein reines Fußballalbum veröffentlichten, wendeten sie sich danach von den sportlichen Themen wieder ab. Es folgten die Alben „La Bum“ und „Unplugged in New York“. Derzeit arbeiten Sie an ihrem bisher achten Tonträger. Webtipp: www.sportfreunde-stiller.de
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Thursday, 17.05.2012, 08:32 Uhr

Autorenprofil Barbara Ginzinger

Barbara Ginzinger
Mag. Barbara Ginzinger studierte Kommunikations-Wissenschaft in Salzburg, bevor es sie 2009 in die WIENER-Redaktion verschlug. (Foto: Rafaela Pröll)

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