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Buch

Männer, erhebt euch!

Wer darauf verzichtet im Stehen zu pinkeln, darf sich nicht wundern, wenn Frau ihn eines Tages sitzen lässt. Edi und Patrick Keck beantworten in ihrem ersten gemeinsamen Buch die alles entscheidende Frage: Wann ist ein Mann ein Mann?

Keck und Keck (Foto: A. Jakwerth)

Keck und Keck (Foto: A. Jakwerth)

Alles begann damit, dass Edi Keck vorm „Schwarzen Kameel“ saß und sich über die vorbeigehenden Frauen wunderte: „Die hatten nicht nur eine Tasche, die hatten auch noch zwei oder drei Sackerl, manche sogar vier.“ – „Was haben die da drin?“, fragte sich Herr Keck sehr bald. Darüber wurde dann geredet, monatelang. Bis eine weitere Frage auftauchte: „Warum machen wir da nicht ein Buch darüber?“ Die Antwort war schnell gefunden: „Weil uns ein Frauenbeobachtungsbuch nicht interessiert.“ Dafür entstand ein Männerbuch mit dem schönen Titel: „Eier. Alles, was ein Mann braucht.“ Dieses Werk erfreut den geneigten Leser (dass wir hier auf das gendernde Binnen-I verzichten, führen wir bereits auf den durch und durch positiven Einfluss des Keck’schen Werkes zurück) mit wichtigen Erkenntnissen: „Frauen glauben nicht daran, dass sie ihr Leben selbst bestimmen können. Daher brauchen sie auch einen Mann, der sie mit einem Plan durchs Leben führt.“ Oder noch schöner: „Ein Mann ist grundsätzlich interessant. Denn er macht wunderbare Sachen, ist immer locker und erobert die Welt.“

Wer solch weise Sachen schreibt, muss gehört werden. Wir besuchten Edi und Patrick Keck (letzterer ist Sohn des ersteren, gemeinsam haben sie das Buch verfasst) im Büro des Herrn Papa – Altbau, natürlich. Räume, hoch und weitgehend leer. Ein Besprechungstisch; ein Mac in der Alu-Version, sehr zurückhaltendes Sitzmobiliar und eine riesige Küche. Und wie begann das alles? „Alle Bücher, die Frauen über Männer schreiben, sind völlig falsch. Immer sagen nur Frauen, wie ihr Märchenprinz sein sollte. Und wenn sie ihn dann lange genug domestiziert haben, wollen sie ihn nicht mehr. Weil einen weichgespülten Frauenversteher will keine richtige Frau.“

Als Journalist übe ich, wenn ich den Thesen in Ihrem Buch Glauben schenke, eigentlich einen bedenklichen Beruf aus. Warum reden Sie mit mir?

Edi Keck (EK): Weil ich das Buch verkaufen will.

Werber sind aber auch nicht weniger bedenklich. Oder?

EK: Werber sind ganz furchtbar.Er [deutet auf seinen Sohn] ist auch ein Werber. Ich bin eine andere Generation von Werber. Bei mir war es ganz normal, dass man Frauen in nicht so intelligenten Posen dargestellt hat. Oder dass man sie möglichst sexy dargestellt hat, damit etwas verkauft wird. Dann gab es die Frauenbewegung. Dann gab es die Frau Schwarzer. Dann gab es die Emanzipationsbewegung der Frauen. Dann haben die Männer und auch die Werber gelernt, dass wir emanzipiertere Frauen zeigen müssen. Die nächste Generation – die meines Sohnes – ist mit lauter Idioten in der Werbung konfrontiert. Männliche Trottel in der Werbung. „Herbert, trink das“ und sowas. Kein Mensch findet etwas dabei, dass Männer in der Werbung als Trotteln dargestellt werden. Die können nicht kochen, die können nicht Geschirr spülen. Das, was früher Frauendiskriminierung war, ist abgedreht. Übrig geblieben ist die Männerdiskriminierung. Das finde ich völlig irre.

Das Wundervolle an Ihrem Buch ist, dass Mann Sätze liest, die er schon immer lesen wollte. Wie viel Ironie hat „Eier“?

EK: Natürlich hat es ein Augenzwinkern. Wenn ich das Buch lese, muss ich sehr oft lachen, weil es mein Sohn so gut formuliert hat.

Wer braucht das Buch?

EK: Männer. Wir glauben, dass ganz viele Männer nicht mehr wissen, wie sie sein sollen. Weil ihnen rund um die Uhr eingeredet wird, wie Männer zu sein haben. Leider immer von Frauen.

Wenn Sie im Stehen pinkeln – wer putzt das Klo?

EK: Immer ich. Außerdem treffe ich. Wenn man nicht zufällig jüdisch oder muslimisch ist, muss man die Vorhaut zurückziehen, dann entwickelt sich nicht so eine Streuwirkung. Kleiner Tipp für alle, die das noch nicht wissen.

Wer bügelt Ihre Wäsche?

EK: Die Putzfrau.

Sie kochen selbst?

EK: Ja.
Patrick Keck (PK): Permanent beide.
EK: Wir kochen uns jeden Tag etwas.
PK: Sowohl daheim als auch im Büro. Immer.

Wie hat sich das ergeben?

EK: Ganz einfach, ich habe mit 14 zu kochen begonnen, was sehr lange her ist, weil meine Mutter einfach sauschlecht gekocht hat.

Ihr Lieblingsessen?

EK: Alles außer Sesseln.
PK: Alles außer Tischbeinen.

Drei vorbildliche Männer, so aus dem Stand?

EK zu PK: Sag jetzt auf alle Fälle du.
PK: Du sowieso. Du und ich. Das sind zwei. Und Sie.
EK: Nein, die Frage kann ich nicht beantworten. Oder nur so: Für mich sind vorbildliche Männer die, die ganz neugierig auf die Welt sind und nicht damit aufhören.

Die Erkenntnisse über die Kindererziehung, fußen die auf praktischer Erfahrung?

EK: Die sind extrem praxisorientiert. Männer kommen im ganzen Erziehungsprozess, bedingt durch das Auseinanderfallen der Familien, nicht vor. Das finde ich schade. Ich glaube, dass sich ein Mann einmischen muss, weil er einen wesentlichen Teil zur Erziehung beitragen kann. Und wenn er das nicht kann, dann erfüllt er auch die Rolle als Vater nicht.
PK: Das ist wichtig. Du hast dich bei mir eingemischt.
EK: Ich misch mich sowieso überall ein. Waren Sie bei der Geburt Ihres Sohnes dabei?
EK: Natürlich nicht. Das schreibe ich doch.

Ich war bei der Geburt meiner Söhne dabei.

EK: Ja, ja. Aber bei uns hatte das auch einen Grund: Ich habe eine Präsentation gehabt, seine Mutter hatte zwei Tage lang Wehen und dann haben die Ärzte entschieden, dass sie einen Kaiserschnitt machen. Also nicht mal, wenn ich gewollt hätte, hätte ich dabei sein können.

Was mich überrascht hat, war, dass Sie meinen, dass sich ein Mann ordentlich rasieren soll, auch am Körper.

EK: Trimmen heißt das Zauberwort.

Warum? Mir kommt eher vor, das kommt aus der Abteilung Porno.

EK: Das kommt aus der Abteilung „Mach einen Blowjob mit solchen Haaren zwischen den Zähnen“. Was ist mit dir? Das ist doch bei einer Frau genauso grauslich. Ich sage nicht nackig. Getrimmt ist etwas anderes.
PK: Nicht wuchernd. Nicht aus der Badehose rausstehend, das ist gemeint.

Was hat Ihre Frau/Mutter zum Buch gesagt?

EK: Meine Mutter ist tot. Seine auch. Meine Ehefrau hat gesagt, dass sie das seit 30 Jahren hört und jetzt ist es mal aufgeschrieben.

Und wieso hat sie es 30 Jahre ausgehalten?

EK: Weil ich toll bin. Und sie ist auch toll.
PK: Beide sind sie toll.
EK: Da haben sich zwei getroffen, die zwei verschiedene Personen sind. Die eine ist eine tolle Frau und die andere ist ein toller Mann, und das geht. Wir lassen uns in Ruhe. Das ist das Superrezept. Den anderen in Ruhe lassen. Und wehe, es beginnt der eine am anderen herumzubasteln. Das geht gar nicht.

Edi und Patrick Keck bezeichnen sich selbst als Kommunikationsberater „mit Affinität zur Provokation“. Edi Keck arbeitet seit drei Jahrzehnten in der Werbung, war Vorstand und Präsident des Creative Club Austria (CCA), sein Sohn Patrick ist selbstständiger Texter und Konzeptionist. „Eier“ ist ihr erstes gemeinsames Buch. Preis: 26,80 Euro. www.keckundkeck.com
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Thursday, 17.05.2012, 07:54 Uhr

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