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“Gamer fördern wie Schifahrer”

Beruf: Computerspielexperte. Der WIENER sprach mit dem österreichischen Entwickler und einzigen Sachverständigen Niki Laber über Image und Zukunft der Game-Industrie.

Niki Laber - Der Spieleexperte (Foto: Olek Hnatenko)Die Pac-Man-Generation ist erwachsen geworden – und längst vom Kinderzimmer ins Wohnzimmer übersiedelt. Die Lust am Spiel ist geblieben. Gut die Hälfte der Österreicher vertreibt sich damit die Langeweile: Schnell ist in der U-Bahn das Handy gezückt, in der Mittagspause eine Session Solitaire am PC oder Karaoke singen dank Spielkonsole an einem Samstagabend. Unsere Kinder lieben Action-, Party- und Renn-Spiele. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Shooter-Spiele landen im Ranking des Instituts für Jugendkulturforschung erst an fünfter Stelle. Doch gerade diese Spiele sind es, die den Eltern Sorgen bereiten – zu Recht, wie eine Auswertung der Iowa State University von 130 Studien mit mehr als 130.000 Teilnehmern zeigt: Gewalt in Computerspielen fördert eindeutig die Aggressivität von Kindern und Jugendlichen – unabhängig von Alter, Geschlecht und der jeweiligen Kultur. Niki Laber, Präsident des Verbands für Unterhaltungssoftware, kämpft im Interview mit dem WIENER gegen das schlechte Image von Computerspielen an.

WIENER: Drei Viertel der österreichischen Jugendlichen spielen Computer. Oft hört man aber, dass sind kleine arme Buben, die Samstagabend zu Hause sitzen und keine Freundin haben. NL: Es stimmt, es gibt dieses Klischee. Aber nicht nur Kinder spielen Computerspiele. Der durchschnittliche Spieler ist mittlerweile um die 30! Die Generation, die vor mehr als 20 Jahren mit Pac-Man begonnen hat, ist jetzt um die 40 und spielt mit den Kindern gemeinsam am Computer.

Wann rufe ich Sie als einzigen gerichtlich beeideten Sachverständigen für Computerspiele an? Der klassische Fall ist, wenn sich zwei Firmen über die Auftragserfüllung streiten. Zum Beispiel, wenn das Spiel nicht zu einem vereinbarten Zeitpunkt fertig programmiert wurde.

Also nicht, wenn es vor Gericht darum geht, ob ein Amokläufer Killerspiele zu Hause hat? Nein, da sind eher Psychologen als Gutachter gefragt. Ich mache Gutachten auf technischer Seite.

Die ältere Generation sieht Probleme wie Suchtverhalten, Gewalt und Sexualität in Spielen. Haben Computerspiele ein ordentliches Imageproblem? Ja leider, noch immer bis zu einem gewissen Grad. Obwohl es sich durch die Spielerinnen ändert. Eines der am meisten verkauften Computerspiele aller Zeiten ist die Sims-Serie und die wird hauptsächlich von Frauen gespielt.

Finden Sie es unfair, dass bei der Gewaltdebatte um Computerspiele Filme und Literatur außen vor gelassen werden? Wenn wir uns erinnern, standen Filme oder Musik noch vor wenigen Jahren selbst in dieser Debatte am Pranger. Ein Jackie-Chan-Film ist ja auch nicht schlecht, nur weil darin gekämpft wird. Grundsätzlich sei anerkannt, dass es keine bösen Spiele oder Filme gibt. Es geht immer um das soziale Umfeld. Bei Amokläufen sollte man sich eher die Frage stellen, wieso der Amokläufer mit einer Waffe umgehen konnte bzw. wie es möglich war, an eine geladene Waffe zu gelangen. Aber Spiele oder andere Medien können nie die Ursache sein, sehr wohl natürlich ein Auslöser – doch das kann ebenso gut auch ein falsches Wort in einer Diskussion sein.

Aber Sie befürworten schon Altersfreigaben bei Spielen? Ja, natürlich. Der Verband für Unterhaltungssoftware bemüht sich aktiv sehr um dieses Thema. Aufklärung in diesem Bereich ist eine der wichtigsten Aufgaben für uns. Diese Verantwortung liegt aber nicht nur beim Staat, sondern in erster Linie bei den Erziehungsberechtigten.

Können österreichische Spielentwickler im internationalen Vergleich mithalten? Absolut. Im Gegensatz zu Deutschland haben österreichische Firmen in den vergangenen Jahren einige erfolgreiche Titel herausgebracht: Greentube hat mit der „Ski Challenge“ einen großen internationalen Erfolg. Als ich vor einigen Jahren Geschäftsführer von Rockstar Vienna war, hatten wir mit Max Payne für die Xbox und dem GTA Double Pack für die Xbox zwei Nummer1-Hits in den USA.

Seit zwei Jahren veranstaltet die e-Sports Federation eine jährliche Challenge. Da Österreich Verbands-Mitglied ist, bekommen auch wir Startplätze. Allerdings haben unsere Spieler im Wettkampf gegen Koreaner und Japaner wenig Chancen. Wird sich das in den nächsten Jahren ändern? Gerade im asiatischen Raum wird Computer spielen als Sport angesehen. Dort gibt es ganz andere Voraussetzungen für Training und Sponsoren. Dort werden die Spieler so gefördert wie bei uns Skifahrer. Früher oder später wird sich auch bei uns ein großer Sponsor finden, der diesen Sport fördern wird.

Die österreichischen Spieler werden als professionelle Spieler davon leben können? In ein paar Jahren vielleicht. Aber das mit dem Geldverdienen beim Spielen, Sport und der Musik ist so eine Sache: Davon leben können nur ganz wenige.

Es scheint, als würde es schon alles geben. Vor allem jetzt mit den Spielkonsolen, wo unsere Körperteile die Joysticks sind. Wie schaut das Spiel der Zukunft aus? Man hat schon oft geglaubt, dass der Zenit erreicht ist. Auch der Commodore 64 oder der Amiga war für die damalige Zeit toll. Dann wurde die Grafik besser, irgendwann war man bei 24 Millionen Farben, mehr erkennt das Auge nicht. Inzwischen sind wir bei HD-Auflösung. Nächste logische Entwicklung ist die Verbesserung der Animationen. Andere Möglichkeiten wären, Spracherkennung ins Spiel einzubauen oder an der Interaktivität zu basteln. Das alles verpackt in noch spannendere Inhalte.

NIKI LABER wurde am 12. Mai 1970 in Wien geboren. Mit 29 schrieb Niki Laber seine Dissertation zu dem Thema „Entwicklung einer Marketingstrategie für Multi Level Marketing im Internet“. Zwischen 1999 und 2006 war Laber Geschäftsführer von Rockstar Vienna und schaffte mit Max Payne und GTA Double Pack zwei Nummer1-Hits für die Xbox in den USA. Sein Wissen verpackte er in den Ratgeber „Spiele selber programmieren“. Seit 2007 fungiert er als Präsident des Österreichischen Verbands für Unterhaltungssoftware (ÖVUS). Ziele des Vereins sind unabhängige Verkaufscharts, der Kampf gegen Softwarepiraterie und Jugendschutzmaßnahmen.
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Userkommentare

1 Kommentar zu diesem Artikel | Kommentar schreiben
  • 14. Februar 2011 von Kim:

    Seit es die vielen Wii-Sportspiele gibt, ist ja auch etwas Bewegung in den Markt gekommen!

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Thursday, 17.05.2012, 07:51 Uhr

Autorenprofil Anita Kattinger

Anita Kattinger
Die 28-jährige Publizistik-Absolventin begann ihre journalistische Laufbahn bei der Zeitschrift der Gewerkschaftsjugend und war mehrere Jahre als Innenpolitik-Redakteurin bei der Tageszeitung ÖSTERREICH tätig.

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