Wie viel ist zu viel?
Pandora zieht zum Jahreswechsel Resümee. Und zwar nicht nur über das vergangene Jahr
[Pandora-Feiertags-Retrospektive, Teil 3] Ich möchte eines gleich klarstellen: Für Sex bin ich zu Silvester in der Regel zu betrunken. Außerdem turnt es wenig an, den Abend im Kreise der lieben Familie zu verbringen. Jedenfalls mich nicht. Vom Töchterchen zur wollüstigen Neujahrsnymphe zu mutieren, und das in nur wenigen, kalorienreichen Stunden, ist mir bislang nie gelungen. Gut, eine Zeit lang habe ich nach dem Bleigießen mit dem Nachbarsjungen herumgeknutscht, aber seitdem dieser ein Kind gezeugt hat, geht da nichts mehr. Wir alle werden älter, auch Pandora. Und mit dem jeweiligen Lebensabschnittspartner? Lief selten etwas. Entweder Ring am Finger und deswegen indisponiert oder er war – wie auch ich – zu stoned, um nur ans Vögeln zu denken. Kein Grund zur Panik: Der Rest des Jahres ist wie dafür geschaffen, dieses Nachholbedürfnis zu stillen.
Trotzdem hat mich der Gedanke an Silvester (nein, nicht Stallone) unlängst eine schlaflose Nacht gekostet. Ruhelos allein im Bett – da hilft nur eines: Schäfchen zählen, oder in meinem Falle: Männer. Eine Bemerkung am Rande: Nicht alle haben es über den Zaun geschafft. Und an nicht alle konnte ich mich erinnern. Aber ich habe es versucht: Entjungfern ließ ich mich spät – und zwar von einem sehr bemühten Jüngling. Rotwein, Kerzenlicht, Kuschelrock, das ganze Programm. Er war nervös und ich: gelangweilt. Weder hörte ich die Englein singen, noch fühlte ich mich ihm auf magische Art verbunden: Während er über mir schuftete, zählte ich die Risse an der Decke. Wäre da nicht Lover Nummer zwei gewesen, hätte ich die Sache mit dem Sex unter “been there, done that” abgelegt. Lover Nummer 2 war ein Riese, ein Schrank auf zwei Beinen, immer dazu aufgelegt, sich zu prügeln. Oder um zu vögeln. Das Problem: Jung-Pandora konnte anfangs mit der Dimension seiner Männlichkeit nicht ganz umgehen. Nach der schmerzhaften Erfahrung, die Sache von hintenherum anzugehen, kaufte ich eine Tube Bepanthen und nahm Reißaus. Nummer drei: ganz nett. Nummer vier: zum Vergessen. Aber Nummer 5! Meine erste große Liebe, wie ich dachte. Er stand auf Rollenspiele. Ein Date lief meistens so ab, dass ich mich von ihm an der Bar belästigen ließ, dann empört nach Hause eilte, wo er mich ganz unglaublich vergewaltigte. Irgendwie spaßig. Nummer 6: ein hektisch fummelnder Italiener. Nummer 7: ein weiterer hektisch fummelnder Italiener. Nummer 8 und 9: zwei US-Marines. Glory, glory, hallelujah. Nummer 10: eine weitere große Liebe. Und mein erster Marathon: Der Rekord von 14 Mal in 16 Stunden ist bislang ungebrochen. Nummer 11: Eine Dame und das Wissen, dass aus mir niemals eine anständige Lesbe wird. Nummer 12: Ein Siebzehnjähriger, dessen Erziehungsberechtigte eines Tages wutentbrannt vor meiner Türe standen. Nummer 13: Urlaub in Griechenland. Nummer 14: Eine holprige Nummer auf der Motorhaube eines Volvos. Nummer 15: Ein Esoteriker, der es mit Tantra hatte; böser, böser Muselkater. Nummer 16: Verflixt noch mal, wie hieß der schnell … Nummer 17: Ein Playboy mit Erektionsproblemen. Nr. 18 …
Spätestens bei Nummer 20 geriet ich ins Stocken – wissend, dass noch weitere lange Jahre der Geschlechtlichkeit vor mir lagen, deren Highlights es zu zählen galt. Da stellt sich selbst Pandora die Frage: How much is too much? Auf ein paar meiner Schäfchen hätte ich nämlich guten Gewissens verzichten können. Wie viel Erfahrungen eine Frau meines Formats eigentlich machen muss, um ein paar wahrlich erfüllende darunter zu finden, weiß ich bis heute nicht. Das letzte Jahr allerdings – so viel ist fix – war ein gutes Jahr. Ich habe es gerne mit euch geteilt. Und das kommende? Widme ich der Qualität, nicht der Quantität. Aber wie war das noch mal mit den guten Vorsätzen?








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