Sex in Schweden
Jag vill knulla. Pandora bekommt Besuch aus dem hohen Norden und besteht den Elch-Test mit Bravour.
[Nein, hier geht's nicht um Julian Assange und seine zerrissenenen Kondome beim schwedischen Dreier. No, sir. Wir halten unser Versprechen und starten mit Teil 1 der Pandora'schen Feiertags-Retrospektive.]
Klischees haben ein zähes Eigenleben. Schweden – das krypto-kommunistische Land, bevölkert von Eisbären, dummen, aber willigen Blondinen und melancholischen, sich maßlos betrinkenden Selbstmördern. Zum Ersten: Es gibt dort gar keine Eisbären. Zum Zweiten: Die Mädels sind zwar willig, aber nicht dumm, und zum Dritten: Die Jungs haben zwar tatsächlich mächtig Durst, sind aber weniger suizidgefährdet als der Durchschnitts-Wiener. Dabei aber ungleich freigeistiger. Natürlich. Ungehemmt. Einfach: lecker. Warum ich das alles weiß? Freundin S. hat aus ihrem letzten Mexiko-Urlaub drei flotte Stockholmer zur Visite importiert und dabei dankenswerterweise auch mein Beuteschema berücksichtigt. David, Sportlehrer, Stoppelglatze, blitzblaue Augen, strahlend weiße Zähne, karg in Worten, stark in Taten. Es war Sex auf den ersten Blick. Denn: Schwedische Männer, muss man wissen, sind die Delikatesse der aufgeklärten Frau. Schweden ist das Land der Welt, in dem die Gleichstellung der Geschlechter am höchsten entwickelt ist. Soll heißen: Die Burschen haben keine Angst vor Frauen, die ihre eigene Kohle im Säckel tragen und beim Flirt nicht zaudernd in der Bambi-Stellung verharren. Sie schätzen Tatkraft und einen klaren Willen. Logische Konsequenz: Sie schätzen mich.
Nach einer Tour d’Amour durch diverse Innenstadtlokale, launigem Skol-Gegröle und einer Beinahe-Schlägerei mit einer deutschen Touristengruppe landeten David und ich schließlich in der Casa Pandora. Das Thema Beischlaf hatte ich geistig bereits abgehakt, was soll schon Großes passieren nach schätzungsweise vier Liter Hefeweizen? Jede Menge und sehr Großes, weiß ich jetzt. Schweden sind anders. Da wo andere ihre Jacke ablegen, nämlich in der Garderobe, legte David sicherheitshalber alles ab und kuschelte sich pudelnackt auf mein Sofa. Dieses Klischee kann ich also mit Brustton bestätigen: Schweden gehören zu den Pionieren der Nacktheit. Allerdings weiß ich nicht, ob es an seiner Vorfreude lag oder an der Tatsache, dass ich ein flottes Klippan-Sofa von Ikea Nord besitze, aber sein Snopp war definitiv härd. Sehr härd. Und er blieb es, Bier hin oder her. So viel zum ersten Wunder dieses Abends. Das zweite: Diesem herrlichen Kerl mit dieser einwandfrei gepflegten Körpermitte war tatsächlich nichts wichtiger als mein persönliches Vergnügen. Er flüsterte “Wünsch dir was” nicht nur zum Scherz. Endlich durfte mal die Jeannie die Lampe reiben und nicht umgekehrt. Bezaubernd. Weihnachten auf Bullerbü? Nichts dagegen. Das Dritte: David war versessen auf Dirty Talk. Man höre und staune: auf Deutsch. Ich fand mich also staunend dabei wieder, ihm die größten Sauereien ins Ohr zu flüstern, die jemals mein Schandmaul verlassen haben – und das gänzlich ohne rot zu werden. Gut, ich hätte ihm auch den Beipacktext meines Radioweckers vorlesen können, aber das hätte weniger Spaß gemacht. Jedenfalls grüßen mich meine Nachbarn zur Zeit nicht. Weil bei Davids Rhythmusgefühl zu flüstern mir auf Dauer einfach nicht möglich war.
Auch die nächsten Tage verliefen harmonisch. Ich lief ohne Unterwäsche und am Arm meines Hünen durch die Hauptstadt, gab bei Bekannten und zufälligen Passanten mächtig mit ihm an, absolvierte einen Crashkurs in Schwedisch (knulla – vögeln, kyss oder puss – Kuss, underbar – wunderbar), hatte Sex auf einer Heurigenbank, gegen eine Kirchenmauer gedrückt, und, weil feine Ironie selbst beim Fremdenverkehr nicht zu kurz kommen darf, auf der Schwedenbrücke. Im Stehen. Um Mitternacht. Nach drei Tagen Glück traf ich Freundin S. wieder, ähnlich devastiert. Wortlos nahmen wir uns an der Hand. Und marschierten in die Restplatzbörse. Denn Mitternachtssonne wärmt von innen. Skol.








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