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“Er hatte so eine Leichtigkeit des Seins”

Karl Heinz Grasser in aller Munde. Lassen Sie uns die soeben veröffentlichten Telefonprotokolle durch die Einschätzung seiner Ex ergänzen: Die wunderbare Natalia Corrales-Diez im WIENER Interview, fünf Jahre nach der Trennung vom schönen Finanzminister a.D.

Der Mann, der daran denkt, sich eine perfekte Frau zu schaffen, wählt richtig, wenn er sich für Natalia Corrales- Diez als Vorlage entscheidet (wir bitten natürlich umgehend um Verzeihung für diese ausgewiesene Macho- Attitüde, Frau Corrales). Diese Frau ist schön (ein schneller Blick nach rechts macht Sie sicher), intelligent (spricht sechs Sprachen, war Uni-Professorin) und ist eine ausgewiesene Kosmopolitin. Und sie sagt wundervolle Sachen, z.B. „Geld hat keine Seele“ oder „den ganzen Tag mit einem Baby zu sein, ist keine geistige Herausforderung. Es ist ja schon fast ein Genuss, ein paar Stunden am Tag zu arbeiten.“ Warum sie der frühere Finanzminister Karl-Heinz Grasser trotzdem betrogen und schlussendlich gar gegen Fiona Das-istder- beste-der-schönste-Tag-in-meinem-ganzen-Leben Swarovski eingetauscht hat, erscheint uns geradezu unverständlich. Es gibt allerdings eine Erklärung, die sich aufdrängt. Wir vermuten, dass Frau Corrales dem smarten Herrn KHG einfach zu perfekt war, oder noch besser: Sie war – und ist – einfach besser als er. Und welcher Mann mag das schon? Verräterisches Indiz: Karl-Heinz Grassers einzige Budgetrede, die jemals von einem roten Kanzler gelobt wurde, hat zu einem Gutteil Natalia Corrales-Diez verfasst. Jetzt arbeitet sie mit ihrer Firma „avant-gardist“ für den „Dr. Michael Häupl Förderungsfonds“.

Sie sagen, dass ein Unternehmen oder eine Investition nur dann eine Seele hat, wenn es einen sozialen Impact auf die Gesellschaft hat. Wann hat denn Geld Seele? Geld hat keine Seele. Es geht darum, soziale Wohlfahrt und Profitorientierung zu verbinden. Unternehmen funktionieren besser, wenn sie in ihr soziales Umfeld integriert sind, denn ihre Wettbewerbsfähigkeit hängt vom Umfeld ab.

Ist es in Zeiten der Wirtschaftskrise überhaupt noch möglich, guten Gewissens zu wirtschaften?Eine Gegenfrage: Atmen Sie noch mit gutem Gewissen, wenn sie eine Lungenentzündung haben?

Sie sagen, dass Sie schon als Kind davon geträumt haben, die Welt zu verbessern. Haben Sie deshalb Ihre Firma avant-gardist gegründet? Ich habe zuerst bei der UNO in China und dann bei einer Entwicklungsbank in Washington gearbeitet. Meine „Lieblingsprojekte“ waren marktorientierte Lösungen für soziale Probleme, so haben wir unter anderem innovative Businessideen von Jungunternehmern finanziert. Es war spannend und unglaublich inspirierend mit so kreativen Leuten zusammenzuarbeiten. Mir hat das soviel Spaß gemacht, dass ich nur noch in dem Bereich „Social Venture Capital“, also Risiko. kapital für soziale und oder ökologische Geschäftsideen, arbeiten wollte. Da das noch nicht sehr verbreitet ist und es das in Österreich zum Beispiel kaum gibt, wollte ich mich selber als Jungunternehmer versuchen.

Haben Sie derzeit ein Projekt in Österreich? Ich habe gerade ein Konzept entwickelt für den „Dr. Michael Häupl Förderungsfonds“, der in die postgraduale Ausbildung von hochbegabten Studenten investiert. Wenn diese Studenten nach ihrem Abschluss einen Job erhalten, sind wir an deren Gehalt beteiligt. Im Gegensatz zu einem Kredit tragen wir das Risiko gemeinsam mit dem Studenten, dass er nachher einen tollen Job findet.

Was muss ein Student vorweisen, um von Ihnen unterstützt zu werden? Er muss hochbegabt sein und ein hohes Potenzial besitzen, einen guten Job zu bekommen.

Hat auch ein Student aus einem „Orchideen-Fach“ Chance auf Ihre Finanzierung? Was auch immer ein Student studieren will, er muss sich ja vorher überlegen, was er damit machen will. Wenn er uns also seinen „Karriereplan“ vorlegt und wir das für attraktiv und realistisch halten, investieren wir natürlich in ihn.

Mit Studenten allein wird Ihre Firma zumindest nicht in den nächsten Jahren überleben. Woran verdienen Sie jetzt? An laufenden Projekten in den USA und an Beratungstätigkeiten in Österreich.

Sie selbst sind Partnerin, wer sind die anderen? Zwei Österreicher und eine UN-Organisation, die CIFAL heißt.

Woher kommt das Geld? Von den Partnern und je nach Projekt von den Auftraggebern. Sie sind vor wenigen Wochen Mutter geworden, haben Sie sich schon an das neue Leben gewöhnt? Mein Leben ist ganz schön durcheinander gebracht worden und ich schlafe deutlich weniger. Aber es ist wunderschön und erfüllend, ein Kind zu haben! Ich arbeite weiter nebenbei und genieße das sehr, denn den ganzen Tag mit einem Baby zu sein, ist keine geistige Herausforderung. Es ist ja schon fast ein Genuss, ein paar Stunden am Tag zu arbeiten. Ich empfinde das fast schon als geistige Erholung.

Wer ist der Vater? Mein Lebenspartner.

Haben Sie noch Kontakt zu Karl-Heinz Grasser? Nein, den habe ich völlig abgebrochen.

Wie haben Sie die Trennung erlebt? Ich glaube, es ist für jede Frau, für jeden Menschen, sehr dramatisch, wenn man kurz vor der Hochzeit erfährt, dass der Partner fremdgeht. Es war demütigend, weil es in der Öffentlichkeit passierte und ich mich mit meinem Schmerz nicht zurückziehen konnte. Aber heute bin ich froh und dankbar. Ich hätte sovieles nicht erlebt.

Wie lange waren Sie mit KHG liiert? Das liegt schon so lange zurück. Ich glaube, wir waren zwei Jahre zusammen, vielleicht.

Aber damals waren Sie überzeugt, dass er der Mann fürs Leben ist? Natürlich! Jeder, der Ja zu einer Hochzeit sagt, ist überzeugt, dass er den Partner fürs Leben gefunden hat.

Nach der schlechten Erfahrung mit KHG – können Sie sich noch vorstellen zu heiraten? Selbstverständlich. Aber ob ich heirate oder nicht, werde ich medial nicht ankündigen.

Warum haben Sie sich in KHG verliebt? Er hat so eine positive Ausstrahlung gehabt. So eine Leichtigkeit des Seins. Er hatte diesen Esprit, mit dem er auch andere Leute mitgerissen hat. Und wir haben irrsinnig viel gelacht und Spaß gehabt.

Liebe auf den ersten Blick? Ich glaube nicht. Das hat sich beidseitig entwickelt. Wir hatten viele interessante Gespräche. Ich kann mich erinnern, wir haben gemeinsam an seiner letzten Budgetrede gearbeitet. Doktor Gusenbauer hat mich damals gefragt, ob ich diese Rede beeinflusst habe, weil sie überhaupt nicht nach Karl- Heinz Grasser klang. Und ich habe ja gesagt.

Eine Kosmopolitin wie Sie und ein FPÖ-Politiker – wie hat das zusammengepasst? Es war eine Zeit lang schön und lustig. Aber wir sind grundverschiedene Menschen mit völlig anderen Zielen im Leben.

Wie ist die Trennung gelaufen? Wir sind weder im Bösen noch im Guten auseinandergegangen. Wir haben lange geredet und beschlossen, dass es das Beste für uns ist, getrennte Wege zu gehen. Er war glücklicher mit seiner neuen Freundin. Rückblickend war die Entscheidung vollkommen richtig, wir waren nicht sehr kongeniale Partner. Wenn unsere Beziehung so toll gewesen wäre, hätte keine dritte Person dazwischen funken können.

Manche Medien haben erst vor wenigen Wochen behauptet, Karl-Heinz Grasser müsste sich vor Ihnen fürchten, weil sie ganz „spezielles Wissen“ hätten. Das kommentiere ich nicht.

NATALIA CORRALES-DIEZ, geboren am 28. APRIL 1977 in Argentinien. Mit ihren paraguayanischen Eltern kam sie schon als Baby nach Österreich (zunächst für eineinhalb Jahre ins Flüchtlingslager Traiskirchen) und studierte später Handelswissenschaften in Wien. Anschließend absolvierte sie ein Postgraduate Studium an der John Hopkins University in Bologna und war unter anderem als Praktikantin im Finanzministerium. Sie arbeitete beim ORF, der UNIDO, der Inter-American Development Bank und als Lektorin an der Wirtschaftsuniversität. Im Oktober 2010 kam ihre Tochter zur Welt.
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Thursday, 17.05.2012, 07:34 Uhr

Autorenprofil Verena Eissner-Eissenstein

Verena Eissner-Eissenstein
Geboren in Wien, aufgewachsen in Oberösterreich, ein Jahr Madrid. Seit Jänner 2010 in der WIENER Redaktion sesshaft geworden. (Foto: Sandra Keplinger)

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