Vo Mello bis ge Wien
Der Holstuonarmusigbigbandclub (HMBC) ist die österreichische Musiksensation des Jahres. Der WIENER testete die Standfestigkeit der fünf Musiker im Windkanal und begleitete sie bei ihrem ersten Gastspiel in Wien seit ihrem Chartserfolg.
Die Turbine jagt mit einer Geschwindigkeit von 60 km/h einen kalten Luftstrom durch den Windkanal. Mit einem ohrenbetäubenden Juchezer treten die fünf Musiker des HMBC dem Wind entgegen. Die Haare zur Sturmfrisur aufgetürmt, kneifen sie die Augen zusammen, setzen ihre Instrumente an und blasen die Backen auf. Der WIENER hat es bewiesen: Diese Band haut nichts so schnell um. So sehr sie im Video zu ihrem Song „Vo Mello bis ge Schoppornou“ auch torkeln und schwanken, so standhaft sind sie im echten Leben – selbst bei Gegenwind. Und womöglich schaffen sie es so, sich von der One-Hit-Ausnahmeerscheinung zur musikalischen Fixgröße zu etablieren.
Den sympathischen Gsibergern haben wir ja nicht nur den Kultsong des Jahres zu verdanken, sie haben auch etwas schier Unmögliches geschafft, nämlich das Musikland Österreich mit seinen ehernen Gesetzen auf den Kopf zu stellen. Die Burschen des HMBC haben eindeutig bewiesen, dass man dank Youtube und Co auch hierzulande nicht notwendigerweise eine Plattenfirma im Rücken braucht, um gehört zu werden. Ganz nebenbei haben sie auch noch das Konzept einiger heimischer Radiostationen umgestoßen, denn dank ihres Chartserfolgs sind die Vorarlberger Dauergast auf den Playlists jener Sender, die um volksmusikalisch angehauchte österreichische Musik normalerweise einen großen Bogen machen.
Die Band selbst bezeichnet ihren Erfolg als großen Glücksfall und führt ihn auch auf das vielgeklickte Musikvideo zurück. Die magische Millionen-Grenze auf Youtube knackten die Gsiberger übrigens genau einen Tag vor unserem Interview im Windkanal und zwar just in dem Moment, als der Band-Bus in Wien seinen Geist aufgab. Aus Mangel an Fortbewegungsmitteln feierten die Musiker ihren Triumpf einfach bei der nächsten Tankstelle. Eine Geschichte, die ein wenig an den Text ihres Gassenhauers erinnert, denn Feiern und das Konsumieren des einen oder anderen Biers, gehören zum Bandalltag einfach dazu. Der Song-Text über den Heimweg nach einer durchzechten Nacht kommt schließlich nicht von irgendwo. Realität, Fiktion und Übermut hätten beim Schreiben eine Rolle gespielt, erklärt Sänger Philipp Lingg. Auf das Thema Alkohol reagiert er aber trotzdem sensibel, schließlich wolle er den HMBC nicht als Sauf-Band darstellen.
Erst einmal vorsichtig antworten die Gsiberger auch auf ihren derzeitigen Erfolg, und das obwohl ihr Hit mittlerweile sogar Deutschland erreicht hat. Noch vor kurzem wollte die Musikindustrie nichts von ihnen wissen, heute würden Plattenfirmen, Booker und Manager Schlange stehen. Alleine während unseres Interviews klingeln die Handys der Musiker im Minutentakt. Beispielsweise erklärt ein PRMann per Telefon, dass „Von Mello bis ge Schoppornou“ der ideale Song für die nächste „Aprés Ski Hits“ Compilation wäre. Den vielen Angeboten stehen die Vorarlberger mittlerweile recht skeptisch gegenüber: „Am Anfang haben wir geglaubt: Das ist es! Heute denken wir, es ist besser, die Dinge selbst in die Hand zunehmen“, erklärt Tubist Stefan Bär. Die Band wolle sich nicht bevormunden lassen und würde nach wie vor die eigene Kreativität an die erste Stelle setzen. Deshalb möchten sich die Fünf auch noch nicht auf eine Richtung festlegen, in die das für Mai nächsten Jahres geplante Album gehen wird. „Der einzige rote Faden wird sein, dass die Songs von uns sind“, so Trompeter Bartholomäus Natter.
Einen eigenen Kopf hat die Band auch, wenn es um die Einordnung ihres Sounds geht. Die abenteuerlichsten Begriffe wie Alpenreggae sind da bereits gefallen, ärgert sich Sänger Philipp Lingg ein wenig. Sein Fazit: „Wir scheißen auf Genrebezeichnungen!“ Und wer auf einem Konzert des HMBC war, wird bestätigen, dass es gar nicht möglich ist, die Band in eine Stilschublade zu stecken. Davon konnte man sich bei ihrem Gastspiel in Wien eingehend überzeugen, denn nach unserem stürmischen Gespräch im Windkanal stellte sich die Band in der gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre des 3Raum Theaters erstmals seit ihrem Charts-Erfolg dem Wiener Publikum. Und das nicht ohne Bedenken, wie Sänger Philipp Lingg schon vor dem Konzert erwähnte. Aber seine Sorge war unbegründet, wie sich schon beim der ersten Nummer des Abends herausstellte.
Nicht nur die anwesenden Vorarlberger grölten, als sich die Musiker mit ihren zig Instrumenten auf den Stühlen der kleinen Bühne niederließen, auch die Wiener waren begeistert und die Musiker selbst schienen großen Spaß daran zu haben, ihre schrägen Ansagen in vorarlbergerischem Hochdeutsch vorzutragen. Die Anwesenden gaben dafür Standing Ovations, als der HMBC mit einer ordentlichen Portion Selbstironie Songs von Robbie Williams bis zu den Zillertaler Schürzenjägern neu interpretierte. Und das geschah selbstverständlich mit vollem Körpereinsatz, komödiantischen Einlagen und einem Instrumentenmix vom Digeridoo bis zur Zieharmonika. Doch so genial die Neu-Interpretationen auch gelingen, die beste Stimmung kam auf, als sie ihre eigenen Songs zum Besten gaben. Und das ist ohne Zweifel ein Indiz dafür, dass die Gsiberger mit ihrem nächsten Album erst so richtig abheben werden.
5 AMÜSANTE FAKTEN ÜBER DAS LÄNDLE:- Dialektv Vielfalt. In jedem Dorf wird anders g‘sch wätzt. Teilweise ändert sich die Sprache innerhalb von 15 Kilometern radikal.
- Weniger ist mehr. Im gesamten Bregenzerwald gibt es auf einer Strecke von 80 Kilometern weder eine Ampel noch einen McDonalds.
- Kässpätzle. Die National - speise der Vorarlberger ist silofreie Milch und der daraus hergestellte Käse. Die Bregenzerwälder Kässpätzle sind eindeutig die besten.
- Trachtenteilung. Im Bregenzerwald steht die Frauentracht (Juppe) im Mittelpunkt . Warum das so ist ? Weil dort die Frauen die Hosen anhaben.
- Musikhochburg. Neben dem HMBC gibt es noch weitere coole Bands in Vorarlberg, wie zum Beispiel die Indie- Rocker Gold en Reef oder die Blasmusiker Dirty Horns.


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