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Porno-Posen

Pandora geht Showgirls schauen und wundert sich, dass nackte Haut noch immer so aufregt. Plus: Kleine Anleitung für den richtigen Blick beim schwülstigen Auftritt.

Ich will mein Leben zurück, oder zumindest zwei Stunden davon. Man zwang mich, die Premiere der Revue „Crazy Horse“ in Frank Stronachs Magna Racino zu besuchen, und jetzt brennen mir die Augäpfel. Bei der Fahrt gen Showgirls biss mich noch die Eifersucht, immerhin ließ der Gatte die eine oder andere Widerwärtigkeit vom Stapel hinsichtlich der nackten Beine und Brüste, die zu erwarten waren. Letztendlich war es aber nur sehr, sehr langweilig. Jedes Lady Gaga-Video hat mehr Sex – und das soll jetzt was heißen. Jedenfalls lungerten wir auf unseren Plastiksesseln herum und starrten knappe zwei Stunden auf perfekte Körper, die teilweise so taten, als würden sie singen oder tanzen.

Die ersten paar Minuten vertrieb ich mir noch die Zeit mit albernen Gedankenspielen („Wer hat den knackigsten Po?“ „Wer hat die größten Brüste“, „Wo beziehen die diese geilen Perücken?“), dann fiel ich in eine Art Haut-Trance, während der Gatte neben mir wie besessen SMS beantwortete. Was lernen wir daraus? Ich bin nicht der Typ für Revue-Shows mit makellosen Französinnen. Dralle Burlesque-Tänzerinnen, okay, das lasse ich mir noch einreden, die haben Charme und Format und tragen bunte Quasteln auf ihren Brustwarzen. Auch Striptease-Tänzerinnen ist – so sie mit der notwendigen Power performen – nicht ein gewisser Reiz abzusprechen, aber niemals werde ich die traurig-grau-gelangweilten Gesichter der Damen in einem heimischen Go-Go-Schuppen vergessen, es war zum Fürchten. Wäre ich nicht zu betrunken gewesen, hätte ich ihnen die Nase geputzt und ihnen was Warmes angezogen.

Ganz generell finde ich die Faszination an der Zurschaustellung des weiblichen Körpers etwas grotesk. Wenn ich daran denke, wieviel tausende Euronen ein Durchschnittsweib für Schminke und schicke Markenklamotten ausgibt, am meisten Applaus und Aufmerksamkeit erntet man in zerrissenen Netzstrümpfen und Schlauchkeidern, ganz egal wieviel die kosten und wer die designt hat. Und da wäre noch etwas, was ich nicht ganz nachvollziehen kann: Geht eine wohlgeformte Dame im Bikini über den Badestrand, wird sie den einen oder anderen anerkennenden Pfiff ernten. Räkelt sich die selbige Dame im Zweiteiler zum Beispiel an einer Stange oder sitzt auf einem Motorrad, hängt den Herren die Zunge raus und die Hose wird eng.

Was soll’s: Sex-Gottes Wege sind eben unergründlich. Vielleicht ist es ja das Posing. Um lüstern rüberzukommen, muss eine Frau nämlich folgendes können: Hirn abschalten. Hohlkreuz machen (ganz wichtig !). Intensiver Blick von unten. Die eigenen Hände als BH verwenden. Zunge raus! Eventuell mit Zunge Brustberührung antäuschen. Oder: Optimalerweise mit einer zweiten Frau züngeln, sich an ihr reiben, sich gegenseitig an den Po fassen. Das war’s eigentlich auch schon. Schade nur, dass diese Porno-Posen langsam die unterste Schublade erreichen. Keine Partyfotos aus dem Prater-Dome ohne minderjähriges Gezüngle. Da sind mir die sterilen Damen aus Paris noch irgendwie lieber. Noch ein Abschlussgedanke: Warum zur Hölle diese Aufregung um die Fotos von Staatsoperntänzerin Ballerina Karina Sarkissova? Sie wissen schon: Wurde von Ballettdirektor Manuel Legris wegen zuviel Nackt gefeuert und nach großem Trara wiedereingestellt. Reuig wurde der Gute allerdings erst, als Fotos von ihm kursierten auf denen er in artifizieller Pose an die Pariser Oper geklatscht sein Schamhaar präsentierte. Unten ohne – oben finstere Mine. Man sieht es gleich: Die Pose macht’s! Sollten Sie sich also demnächst textilfrei ablichten lassen,
gucken Sie bitte gelangweilt oder sauer.
Ihr Arbeitsplatz wird es ihnen danken.

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Thursday, 17.05.2012, 07:27 Uhr

Autorenprofil Pandora

Pandora
Janina Lebiszczcak ist Society-Redakteurin der Zeitschrift News. Für den WIENER schreibt sie unter dem Pseudonym Pandora Reithermann seit vielen Jahren ihre Kolumne »Pandoras Box«. Prädikat: Nicht jugendfrei.

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