Das schnelle Leben
Wenn du nach einer langen Filmnacht mit den extremsten Extremskifahrern und ihren schlimmsten Lawinen-Stunts zunächst deine geliebte Ehefrau...
Wenn du nach einer langen Filmnacht mit den extremsten Extremskifahrern und ihren schlimmsten Lawinen-Stunts zunächst deine geliebte Ehefrau (einst dreifache Olympiastarterin) mit den rasiermesserscharfen Küchenfeiteln von Jamie Oliver hantieren siehst und dann noch Ecke Ringstraße-Schwarzenbergplatz um ein Haar vom ums Eck driftenden Niki Lauda (Vorsicht: Anthrazit-Kombi mit Stern, Vierfachauspuff und S-Kennzeichen) verräumt wirst, fragst du dich schon.
Du fragst dich, ob sich die gesamte Spitzensportlerpartie vielleicht kollektiv statt dem Angst-Gen jenes für grundsätzliches Riskieren reinmanipulieren hat lassen aber auch weiter, ob der Hang zum Hazard eventuell ein Mitgrund für sportlichen Erfolg sein könnt. Auffällige Hinweise wären zu Hauf da: Thomas Muster schaffte es einst zu einem Interviewtermin in der Wiener City von Graz aus locker in 90 Minuten – und das nicht mit seinem Heli. Thomas Morgenstern musste bei einem gemeinsamen Nachtflug im Airbus-Simulator unbedingt die maximale Schieflage des Touri-Bombers austesten (Story im nächsten Sportmag) und Rallye-Legende Franz Wittmann sen. ließ es sich damals nicht nehmen, mir den Vortrieb seines Toyota-WRCs bis Tempo 214 auf einem maximal drei Meter breiten Waldweg mit völlig verdreckter Windschutzscheibe vorzuführen.
Relativ leicht ließe sich diese Liste nach fast 20 Jahren im Job verlängern. Und zwar zu weit, um alles als Zufall abzutun. Meine Diagnose: Echte Könner im Sport sind tatsächlich häufig furchtloser als wir Normalsterbliche. Und zwar, weil sie sich auf ihren Körper, ihre Sinne und die daraus gesponnene, häufig höchst ausgeprägte Raumwahrnehmung verlassen können. Wenn diese Gabe dann noch mit einer flinker geistiger Beweglichkeit gepaart werden kann wie bei – da weiß ich es sicher – meiner Frau, dann funktioniert das gesamte System besser und kann deswegen auch rasanter manövriert werden.
Nicht nur durch den eigenen Sport sondern eben auch durch den Alltag. Und dort finden halt dann manche die Bremse nicht. Denn während die Extremskifahrer ihre Latten wenigstens auf der Leinwand immer unter Kontrolle hatten und mir meine Liebe schneidig ein köstliches Frühstück bereitete, hätte mich der flotte Herr Lauda beinahe wirklich am Zebrastreifen platt gemacht. Und das mit zwei Kindersitzen im Fond. Seltsam eigentlich.


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