Wilde Ehe
WIENER-Kolumnistin Pandora hat geheiratet – und feierte ihre hochoffiziell abgesegnete Zweisamkeit mit einer Party, die dem Begriff „wilde Ehe“ eine völlig neue Bedeutung gibt.
Aufgrund gewisser zeitlicher und gesundheitsbedingter Faktoren kann ich euch erst in dieser Ausgabe mit Anekdoten von Pandoras Hochzeit erfreuen. Die gute Nachricht zuerst: Meine Eltern reden wieder mit mir. Immerhin hatten die einiges zu schlucken, denn – sagen wir es mal so: Selbst wenn die gesamte Belegschaft von Mötley Crüe gleichzeitig zum Ja-Wort angetreten wäre und zwar mit den Mädels von „Girls gone Wild“ – ihre Party wäre nicht so schlimm ausgefallen wie die meinige. Alles begann damit, dass der Standesbeamte – groß wie Hüne in seinem schwarzen Mäntelchen – nicht müde wurde zu betonen, dass das Brautpaar sehr gerne trinkt und sehr gerne vögelt. Auch das Wort „Scheiße“ kam in seiner Rede vor, in welchem Zusammenhang weiß ich nicht mehr, intensive Nervosität ist ein Hund und einem LSDRausch gleichzusetzen.
Während der Zeremonie wurde geraucht und getrunken, für viele Gäste offenbar ein Novum, denn das Gros der Geladenen war bereits am frühen Nachmittag derart von Sinnen, dass das gemietete Barock- Schloss nun generalsaniert werden muss. Generalsaniert muss auch der Ruf des Trauzeugen meines Angetrauten werden, in seiner Rede ging es vornehmlich um Lkw und Pornomessen, später versuchte er seinen Durst mit dem Feuerlöscher zu stillen. Der Brauttisch glich einer Wikingertafel, mein Nebenan bepflegte und begrapschte sein Weib abwechselnd, seiner Nachbarin flog das Amuse-Gueule aus dem Gesicht, dass Burgerking David Hasselhoff seine helle Freude gehabt hätte, der Nächste wiederum erhob sein Glas mit den Worten: „Ich wollte nur sagen: ich bin nicht schwul!“
Die Hochzeitstorte war steinhart, ebenso mein langjähriger Spielkamerad A., der mehreren anwesenden Pärchen Geld anbot, so er ihnen beim Liebesspiel zuschauen dürfe. Noch mehr Fakten gefällig? Drei von 80 Gästen hatten vor meiner Feier durchgemacht – und keiner von ihnen schlief ein. Meinem Trauzeugen riß der Hosenboden, später wurde er von seiner Frau ins Auto eingesperrt. Meine Trauzeugin hingegen trug ein Dekoltée, dass so tief war, dass wir die BUWOG-Akten darin vermuteten. Ihr wollt noch mehr?
Eine frischgebackene Ehefrau und eine frisch gebackene Mutter wurden spontan lesbisch und zogen sich beim Liebesspiel im Schlossgarten ein blaues Auge und eine Schürfwunde am Knie zu. Eine der Damen schlief später ohne Höschen im Foyer ein, während ihr Gatte sich als DJ betätigte: Er legte ACID auf, was sonst. Der Weddingplanner griff sich einen Karton Weißwein – und vernichtete ihn tatsächlich. Eine langbeinige Dame fiel auf dem Dancefloor aus dem Stand um, nachdem sie leise „mööööörplöööp“ ins Mikrophon genuschelt hatte. Ein Designer fing an zu weinen und wusste nicht warum. Meine Hochzeitssuite glich dem Probenraum von Guns ’n’ Roses.
Wir tanzten Sirtaki zu Roland Kaiser. Und statt die Ehe zu vollziehen, tranken mein bester schwuler Freund, mein Mann und sein Trauzeuge bei strahlendem Sonnenschein schätzungsweise einen Hektoliter Jägermeister – in Unterhose und im Beisein einer Katze. Ja, verehrte Leser: Das war Pandoras Hochzeit – ungelogen, ungeschönt. Wer da die Ehe mit dem Stempel „wertkonservativ“ versieht, der hat sie wohl nicht alle.








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