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Werbung und Wahrheit

Mama Putz, der Inder und der verkrampfte Herbert - drei Figuren, eine Botschaft: Kauf, wofür wir stehen! Wie sie mit ihrer Werbeprominenz leben und wer sich hinter den Charakteren wirklich verbirgt, lesen Sie hier.

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Treffen sich der Inder und der Herbert. Sagt der Inder: „Und, wie lange gibt’s dich schon?“ Sagt der Herbert: „Ein Jahr und dich?“ Darauf der Inder: „Schon länger.“ Kein Witz, dieser Dialog hat tatsächlich so stattgefunden.

Herbert und der Inder, auf den ersten Blick haben sie nicht viel gemeinsam, und doch verbindet sie eine wesentliche Eigenschaft: Sie sind Charaktere die die Werbung zu Stars gemacht hat. Den einen als Mobilfunk-Testimonial mit indischer Weisheit, den anderen als schrulligen Mittvierziger der mit Joghurt-Drinks sein Immunsystem stärken soll. Während Herbert der Newcomer unter den Werbegesichtern ist, belehrt uns der Inder bereits seit drei Jahren mit klugen Sprüchen über den günstigsten Handytarif. Im Gegensatz zu den beiden ist die dritte Figur auf unseren Bildern eine Institution im Werbebusiness. Mama Putz, das Oberhaupt der gleichnamigen Möbelhausfamilie flimmert schon ganze 11 Jahre singend und tanzend über die TV-Bildschirme des Landes. Alle drei sind sie bekannt, geliebt und gehasst, stehen mit ihren Gesichtern für eine Marke und verhelfen ihr zu immer neuen Verkaufserfolgen.

„TV-Spots mit Werbefiguren wirken überdurchschnittlich stark,“ erklärt Werbeexpertin und Geschäftsführerin des Gallup Instituts Roswitha Hasslinger. Kein Wunder, dass die Agenturen darauf setzen. Eine gelungene Werbefigur kann über viele Jahre gut funktionieren und verknüpft die Marke mit einem emotionalen Mehrwert. Im besten Fall leben die Menschen mit den Figuren in der Werbung mit, hängen an Ihnen und sind traurig, wenn sie in Pension geschickt werden. Einen mehr oder weniger unbekannten Schauspieler einzusetzen, hat dabei enorme Vorteile. Im Gegensatz zu Promi-Testimonials kann man den Charakter der Kunstfigur nach belieben formen und an die Marke anpassen. Auch öffentlichkeitswirksame Skandale a la Charlie Sheen und Co bleiben bei nicht prominenten Testimonials aus. Allerdings brauchen Sie auch mehr Werbedruck, also mehr Budget, um bekannt zu werden.

Aber zurück zu Herbert, Frau Putz & Co. So prominent die Figuren auch sein mögen, und die Familie Putz ist immerhin bekannter als der Bundespräsident, so wenig weiß man über die Menschen hinter den Kunstfiguren. Die einzige Ausnahme ist der Inder, den man spätestens seit seinem Auftritt bei Dancing Stars auch als Ramesh Nair, Musical-Darsteller, Tänzer und Choreographen kennt. Roswitha Hasslinger Präsidentin des Werberats bestätigt, dass es sehr außergewöhnlich ist, dass ein Werbedarsteller zum Promi wird. „Normalerweise ist der Weg umgekehrt: Jemand ist bereits prominent und wird deshalb für die Werbung engagiert.“ Dass Ramesh Nair als Inder die Figur mit dem größten Starfaktor ist, zeigt sich auch daran, dass er nicht mehr unerkannt auf die Straße gehen kann, wie er uns erzählt: „Am Anfang war das sehr aufregend und es freut mich auch heute noch, wenn mich die Menschen ansprechen. Aber manchmal kann es auch zu viel werden. Kein Geld der Welt kann ein normales Privatleben ersetzen.“ Dennoch hat sich das Auftreten in der Werbung für ihn gelohnt, nicht nur finanziell. „Es tun sich definitiv Chancen auf“, erklärt der Künstler, wie zum Beispiel sein aktuelles Projekt als Sänger der SenSix Big Band. Andererseits, gibt Ramesh Nair zu bedenken, werde er für gewisse Jobs gar nicht mehr gefragt, weil die Leute denken er sei zu teuer.

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TESTIMONIALS, also Figuren, die in der Werbung für eine Marke stehen, wirken laut Experten überdurchaschnittlich stark. In der heimischen werbung sticht die Familie Putz hervor, die nach Angaben von Demner, Merlicek & Bergmann einen höheren Bekanntheitsgrad als der Bundespräsident hat. Auch die Figuren von Telering und Actimel verbuchen nach Aussage der Agenturen hohe Impact- und Sympathiewerte.
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Thursday, 17.05.2012, 07:11 Uhr

Autorenprofil Barbara Ginzinger

Barbara Ginzinger
Mag. Barbara Ginzinger studierte Kommunikations-Wissenschaft in Salzburg, bevor es sie 2009 in die WIENER-Redaktion verschlug. (Foto: Rafaela Pröll)

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