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Pandora

Lover Casting

Frau Pandora testet Liebhaber. Soll’s der Gentleman mit Penthouse sein? Der Bad Guy mit der dunklen Vergangenheit? Oder braucht unsere umtriebige Kolumnistin gar eine dritte Option?

[Aus dem WIENER-Archiv] Zeit ist ein limitierender Faktor, seufzte Freundin I. Oder auch: ein eliminierender. Die Gute weiß, wovon sie spricht. Vor wenigen Wochen tauchte sie im Whirlpool eines ansehnlichen Yuppies unter – und erst Tage danach wieder auf. Nichts wirkt so aphrodisierend wie ein Penthouse mit Fernblick, ein gut sortierter Weinkeller und indirekt beleuchteter Jacuzzi. Bubbles, Bubbles, Bubbles – keine Frau kann ihnen widerstehen. Sorry, ihr Männer mit Charakter. Jetzt ist der Yuppie auf Tauchstation – zur Abwechslung. Und I.? Überlegt mit einem Kerl intim zu werden, den sie sicherlich nicht der Frau Mama vorstellen würde. Spruch wie Bierkutscher, Leber wie Mini-Bar. Hat auch seinen Reiz.

Vielleicht hat sie sich aber einfach meinen Rat zu Herzen genommen: Eine Frau mit Format braucht immer mehrere Eisen im Feuer. Denn siehe oben: Die Kerle brechen weg – oder werden weggebrochen. Das „Trial and Error“-Prinzip (von mir auch liebevoll „Fuck and Drop“ genannt) ist Schnee von gestern, so wie die Suche nach dem Märchenprinz. Der ist nämlich schwul. Deswegen castet Pandora zur Zeit mit Emphase Liebhaber. Ihr Ziel: Ein anständiges Portfolio an potenziellen Gespielen zusammen zu tragen – um sie sich dann peux a peux zur Brust zu nehmen. Die derzeit beiden größten Hoffnungsträger könnten nicht unterschiedlicher sein. Da wäre zum einen: K.

Oh, mein Gott. Ein Traummann wie er im Buche steht. Einwandfreie Rhetorik, entzückende Zahnlücke, begeisterungsfähig (vor allem was mich betrifft) – und gegen sein Penthouse kann der Höhlenforscher von Frau I. einpacken. Wir kippten zwei Flaschen Schampus, dann kippte ich in sein Bett, was vielleicht ein Fehler war, da Mami uns gelernt hat, dass man solche Exemplare zappeln lassen muss. Egal. Denn K. ist ein wahrer Gentleman. Und vielleicht ein bisschen zu gut um wahr zu sein. Ich vermute eine eifersüchtige Ex oder eine Familie im Keller. Und dann – quasi in der anderen Ecke meiner Begehrlichkeiten – hätten wir F.

An dem habe ich einen Narren gefressen und könnte mich dafür ohrfeigen – obwohl er das sicher besser machen würde. F. ist ein Albtraum. Arbeitssuchend – wie man so schön sagt, gepflegte Unteraugenbräune, dunkle Vergangenheit und böse-böse-böse. Sprich: genau mein Fall. Unsere Fünf-Stunden-Chats über Sauereien jeglicher Spielart sind mittlerweile fixer Bestandteil meines Alltags, und was ich dann an einem schönen Altweibersonntag persönlich zu Gesicht bekam, war ebenfalls adäquat. Jetzt muss Pandora kämpfen, für Gut, gegen Böse – aber am meisten gegen sich selbst. Über der Frage „Why does wrong feel so right?“ könnte ich stundenlang meditieren, einziges Resultat: Schädelweh.
Bin ich bindungsunfähig? Neurotisch? Dumm wie Brot? Boykottiere ich mein Happy End? Keine Frage, auch ein Luder wie Pandora hat ab und zu Sehnsucht nach ein bisschen Bürgerlichkeit deluxe. Nach Phillip Starck-Lamen und Wochenendtrips nach Ibiza. Nach Ausflügen in die Südsteiermark und Blowjobs im BMW. Nach Designerküchen. Nach gemeinsamen Zielen. Nach vernünftigem Sex ohne blaue Flecken.

Moment. Stop. Meine White-Trash-Seele schreit gerade Zeter und Mordio. Ich möchte mit einem Mann ohne Zukunft ganz gegenwärtig durchbrennen, am besten in einer alten Rostlaube, high bis zum Haaransatz, leben in Absteigen, klauen vom Hotelbuffet, Sex ohne Tabu. Blut, Schweiß, Tränen. Oui, oui, Sie können mich getrost notschlachten – vor allem falls Sie meinen bisherigen Leidensweg kennen. Mr. Big oder Bad Guy? K. oder F.? Ich kann mich nicht entscheiden. Also überlasse ich das dem Leben. Oder nehme einen Dritten.

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Thursday, 17.05.2012, 07:10 Uhr

Autorenprofil Pandora

Pandora
Janina Lebiszczcak ist Society-Redakteurin der Zeitschrift News. Für den WIENER schreibt sie unter dem Pseudonym Pandora Reithermann seit vielen Jahren ihre Kolumne »Pandoras Box«. Prädikat: Nicht jugendfrei.

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