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Konzerttipp: Sophie Hunger im WUK

Die Eigenartige aus dem Land der Eigenarten kommt nicht zur Ruhe. Kein Jahr nach ihrem zweiten Album «Monday’s Ghosts» kündigt sie schon ein neues an. Sophie Hunger hat es «1983» getauft, nach ihrem Jahrgang. Zwölf Monate später hätte laut Orwell die Welt untergehen wollen. Ist sie das vielleicht und wir haben es nur noch nicht bemerkt? In einem zweifelnden, verzweifelnden und eigensinnigen Kreuzzug singt Sophie Hunger an gegen das Verschwinden von immer mehr klitzekleinen Bestandteilen der Welt.

Sophie Hunger wurde 1983 in Bern geboren, verbrachte aber einen guten Teil ihrer Kindheit in London und Bonn. Mit neun erhielt sie für kurze Zeit Klavierstunden, die aber keine Früchte trugen. Zur Musik fand sie erst mit 19 Jahren wieder zurück, als sie als Sängerin bei diversen Bands spielte. „Mein Respekt vor Musik, vor künstlerischem Ausdruck war sehr gross als Teenager, ich war verklemmt und distanziert. Erst als ich dieses Bewusstsein verlor, begannen diese Dinge sich zu entfalten. Ich war 23 und alles fiel aus mir heraus.“ Das, was da heraus fiel, nahm Hunger in ihrem Wohnzimmer auf, taufte es “Sketches On Sea” und verkaufte davon einige Tausend Kopien. Sie wird „zum bestgehüteten Geheimnis der Schweizer Musikszene“ (Facts).

Grenzenlose Musik.
Das Album „Sketches on Sea“ gibt bereits einen Eindruck von Hungers musikalischem Horizont: eine Welt ohne stilistische Grenzen, auf dem sich die Multiinstrumentalistin unverblümt zwischen Jazz, Folk, Rock bis hin zu Stimmparodien bewegt. Nicht nur beim Schweizer Publikum weckte sie mit ihrer Musik Interesse: So teilte Hunger bald Bühnen mit Jazzgrössen wie Erik Truffaz, den Industrial-Pionieren The Young Gods oder der französischen Stimmkünstlerin Camille. Schliesslich wurde ihr, nach einem Auftritt am EuroVox 2008-Festival, auch von der renommierten französischen Tageszeitung Libération prophezeit, dass sie “nicht lange das bestgehütete Geheimnis der Schweiz bleiben wird”.
Das erste Studioalbum Monday’s Ghost, erschienen im Frühjahr 2009, steigt auf dem ersten Rang der Schweizer Album-Charts ein, erreicht Goldstatus und verkauft sich auch in Deutschland und Frankreich mehrere zehntausend Mal. Das neue Album „1983“ hat dies übrigens auch wieder geschafft und stieg auf Platz #1 der Schweizer Album Charts ein.

Die Bretter, die die Welt bedeuten.
Ihre Königsdisziplin bleibt jedoch die Bühne. An ihren mehrsprachigen Konzerten besticht, sie neben ihrer Stimme, mit freien Jazzimprovisationen am Klavier, den Sounds ihrer E-Gitarre, die sie wie eine Punkprinzessin spielt, und Mundharmonikasolos in Folkmanier. 2009 reist Hunger und ihre 5-köpfige Band kreuz und quer durch Europa, wo sie über 100 Konzerte spielen. Lob erhält sie auch von Jamie Cullum oder Madeleine Peyroux, welche die Sängerin 2009 an Festivals kreuzt. Am Europäischen New Comer Festival Eurosonic im Januar 2010 wird Hunger als „one of the best gigs of the entire festival“ (Kinda Musik) bezeichnet. Sie ist auf France1 im Musikspektakel Taratata zu sehen, tritt in Paris im Cité de la Musique, im Olympia und Peter Brooks Theater Bouffe du Nord auf. Auch in Deutschland spielt sie eine mehrheitlich ausverkaufte Konzerttournee begleitet von Auftritten auf ARTE, der ARD und 3Sat.

1983 ist heute.
In dieser Zeit wächst bei Hunger bereits der Drang nach einem neuen Album. „Es sind eben nicht nur die äusseren Dinge explodiert in jener Zeit, nein, das ist alles auch irgendwie in mir passiert. Das musste raus.“ So entsteht bereits Ende 2009 das neue Album 1983. In Zusammenarbeit mit sound engineer Stephane Briat (Phoenix, Air) hat Hunger das viersprachige Album in Paris produziert. Und tatsächlich, 1983 klingt wie eine Neuerfindung, vielleicht sogar ein Befreiungsschlag. Freigemacht hat sich Hunger von der akustischen Klangkulisse. Elektrische sounds, Drumcomputer und allerlei Effekte vermischen sich mit spröder Mundharmonika, sprengenden Beats und angezerrten Chören. Freigemacht hat sie sich auch von den geisterhaften, mystischen Texten des Vorgängeralbums. Mit Imperativen und direkten Bildern spricht sie uns diesmal an.

Am 6. Oktober tritt Sophie Hunger live im Wiener WUK auf, es gibt noch Restkarten. Einfach die Website vom WUK besuchen und Tickets sichern!
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Thursday, 17.05.2012, 07:06 Uhr

Autorenprofil Sandra Keplinger

Sandra Keplinger
Sandra Keplinger, geboren 1983 in Wien, schloss 2006 die Graphische (Abt. Fotografie) ab, und arbeitet seit Jänner 2008 nach einem Aufenthalt in London für den WIENER. Seit zwei Jahren ist sie Fotochefin und Musikredakteurin.

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