Hausmitteilung, November 2010

Bildband mit nacktem Ballettdirektor Legris, fotografiert vom japanischen Star-Fotografen Kishin Shinoyama (Verlag Asahi)
Das Schöne am Berufsstand des Journalisten ist, dass er auch seinen abgebrühtesten Angehörigen noch Überraschungen und neue Lehren zu bescheren vermag. Auch die WIENER-Redaktion kam im vergangenen Monat in den Genuss dieser Erfahrung.
Zum einen waren wir überrascht, was für eine irrsinnige Medienexplosion unsere erotische Bildstrecke mit der Staatsopern-Primaballerina Karina Sarkissova auslöste, wobei die Oper selbst auf den roten Knopf drückte, als sie ihre schönste Tänzerin deshalb wegen ungebührlichen Betragens feuerte.
Damit leitete sie unsanft über zur ersten Lehre aus dieser Geschichte: Moral ist der altehrwürdigen Sing- und Tanzanstalt Sache nicht wirklich, denn was sie als unvermeidliche Maßnahme zur Wahrung von Würde und Tradition darzustellen versuchte, entpuppte sich spätestens auf den zweiten Blick als bodenlose Heuchelei. Sarkissova, weiblich, den nackten Traumkörper zur Unsterblichkeit verbogen, war der Oper ein Kündigungsgrund; Manuel Legris, männlich und Ballettdirektor des Hauses, der seiner Primaballerina die Mitteilung vom Rausschmiss auch noch persönlich überbrachte, ließ seinen nackten Traumkörper beim Anschmiegen an andere nackte Tanzkollegen erotische Funken schlagen – und es ward daraus ein Bildband, der bei den Opern-Sittenwächtern als Kunst durchging (siehe Foto). Wenn Sie wissen wollen, wer zwischen Nordund Südpol über die aufregenden WIENER- Bilder von Karina Sarkissova berichtete, finden Sie auf Seite 38 eine kleine Übersicht.
Eine zweite Lehre wurde uns zuteil, als wir den brachialen Humor US-amerikanischer Rezipienten unserer Sarkissova-Story kennenlernten, der dazu führte, dass unsere Website www.wiener-online.at wegen eines User- Tsunamis zusammenbrach: „Ballerina Fired for Posing Nude for ‚Wiener‘ Magazine“, titelte foxnews.com, ein Online-Ableger von Rupert Murdochs News Corporation, der Millionen amerikanischer Haushalte erreicht. Warum das in Übersee derart dröhnendes Schenkelklopfen und massenhaftes Klicken auslöste, dass davon unser Server in die Knie ging, wird verständlicher, wenn man sich vor Augen hält, dass „Wiener“ im US-Idiom auch für das steht, was man bei uns „Schniedl“ oder, derber, „Schwanz“ nennen würde.
Erst fühlten wir uns wie einer, der mit dem Namen „Hans Ficker“ oder „Gregor Rammelmeier“ zur Taufe schreiten und sein Leben fortan als übler Kalauer fristen muss. Mittlerweile sind wir drüber hinweg, die Kalauer wurden Redaktionskulturgut – und die Freude ist groß, dass wir nunmehr auch im amerikanischen Sprachraum eindeutig als Österreichs Männermagazin Nummer 1 positioniert sind.
Humor können wir auch. Auch oder gerade rund um Allerheiligen. Deshalb empfehlen wir Ihnen diesmal besonders die Story über Heini Altbart, Österreichs lustigsten Bestatter (ab Seite 18). Sie zeigt, dass Humor nie fehl am Platz sein kann; wenn er echt und ehrlich ist, dann kommt er immer von Herzen, und wenn den Hinterbliebenen etwas Trost spenden kann, dann das einzige Gefühl, das von dort seinen Ausgang nimmt: Liebe. Kommen Sie gut über den Herbst!
Herzlichst
Helfried Bauer, Chefredakteur


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