Ja, ich will
WIENER-Sexkolumnistin Pandora heiratet. Und hat sich dafür einen Weddingplanner geangelt, der sie in- und auswendig kennt. Ganz einfach, weil auch er sie vögeln durfte.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt gleich ein paar meiner werten Leser verliere: Pandora wird heiraten. Vielleicht bin ich sogar bereits verheiratet, wenn Sie diese Zeilen lesen. Kein Scheiß jetzt. Auf Leugnen hab ich keinen Bock, ich bin Sex-Kolumnistin, nicht Nobel-Prostituierte, die stets den Eindruck hinterlassen muss, frei und erotisch aktiviert zu sein. Heiraten ist meiner Vorstellung nach auch nicht einem Todesurteil gleichzusetzen – überbewerten mag ich die Angelegenheit allerdings auch nicht: Von den ganzen spitzen Freudenschreien diverser weiblicher Bekannter tun mir die Ohren weh, mein Leben gleicht zur Zeit dem Staffelende von „Sex and the City“. Nein, Kinder, ich werde nicht als Schneegans oder Sahnebaiser verkleidet das Ja-Wort hauchen, ganz generell werde ich überhaupt nichts hauchen, sondern mit fester Stimme „wahrscheinlich“ oder „Okey Dokey Doggie Daddy“ brummen. Vor einem Standesbeamten, der über einen Spruch verfügt, der seinesgleichen sucht.
Das erwähne ich erstens aus Stolz, zweitens weil es da tatsächlich Menschen gibt (vorrangig solche die spitz schreien), die annehmen, ich könnte kirchlich heiraten. Selbst wenn der Witz überstrapaziert ist: Bereits am Kirchentor würde ich mich mit einem feurigen „Husch“ selbst entzünden, während der Blitz aus Gottes Hand meinem Verlobten den Scheitel streckt. Nein, sorry, von dem Verein lass’ ich mir den Tag der Tage nicht ruinieren. No Ma’am, ich brauche keine handgeschöpfte, von tasmanischen Jungfrauen abgeschmeckte Schokolade auf meiner Hochzeitstorte. Auch keine Tauben (außer zum Schießen), keine weißen Pferde (außer die von Danzer), keine Fanfaren. Ich stehe zu meinen Halbweltfreunden und werde sie nicht von der Gästeliste streichen, nur weil manchen dann das Jetset-Krönchen verrutscht. Leichte Mädchen, schwere Jungs … ist mir alles lieber als ein falsches Grinsen.
Aber eines muss ich gestehen: Ich habe mir Hilfe geholt. Wer jetzt an „Frooooonk“, den schrecklichen Weddingplanner aus dem TV oder auch nur in diese Richtung denkt, irrt gewaltig. Mein Zeremonienmeister trägt Unterleiberl statt Hemd, bunte Farben unter der Haut und Teer auf den Stimmbändern. Er ist der heterosexuellste Mann, den ich kenne und ja, ich war natürlich vor Beginn der Monogamie mit ihm im Bett. Dafür ist mein Blumenmann schwul, aber trotzdem kein Prinzesschen mit gebrochenem Handgelenk – das weiß ich, seitdem ich mit ihm und dem Weddingplaner Komatrinken war.
Meinen Verlobten stört’s übrigens kaum, ich meine nicht das Komatrinken, sondern die Tatsache, dass ich den Weddingplanner gevögelt (mehrmals) habe. Dafür bin ich ihm dankbar. Weil ich seit Verlust meiner Jungfräulichkeit immer und immer wieder in dieselbe Falle getappt bin wie ein patscherter Tanzbär: Erst machen dir die Mannsbilder klar, dass sie noch niemals eine so freie, so wilde, so sinnliche Frau wie dich kennen gelernt haben und darob stolz und spitz sind wie Nachbars Lumpi.
Kurze Zeit später laufen sie mit einer Durchschnittsfrau ohne Gefahrenpotenzial davon oder – schlimmer – bleiben bei dir und geben dir das Gefühl du seist Dreck. Nein, stopp: Sie wollen dir dieses Dreck-Gefühl geben, schaffen es nicht und werden deswegen überaus miesepetrig.
Nicht so mein Zukünftiger. Der hat, als meine amourösen Memoiren in Buchform auf den Markt kamen, nicht nur einmal die Frage beantwortet, ob ihn mein Vorleben einschüchtern würde. Seine Standardantwort: „Iwo, ich genieße jetzt ganz alleine die Summe ihrer Erfahrungen. Umgekehrt läuft’s ja genau so“. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht: Ja, ich will.








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